Der rote Faden

Von der Depression zur Expression

Vor etwa 10 Jahren hatte ich ein Burnout. Danach fing mein Leben mit meinen Depressionen an. Jetzt will ich sie endlich angehen.

Vor etwa 10 Jahren hatte ich ein Burnout. Das war die Zeit, in der das noch nicht als „Modekrankheit“ galt und dennoch die meisten Menschen den Begriff schon einmal gehört hatten. Niemand wusste so recht, was ein solches „Burnout“ war und wie man damit umgehen sollte. „Not just sad“ war noch kein Twitter-Schlachtruf und man war deutlich vorsichtiger damit sich als „depressiv“ zu bezeichnen. Das hatte gute und schlechte Auswirkungen. Aber davon ein anderes Mal.

Ich rutschte jedenfalls von einem solchen Burnout in eine Depression. Und das just in der Zeit, in der ich am intensivsten dagegen behandelt wurde. Man verschrieb mir Medikamente und ein paar Spaziergänge, riet mir, mich doch mit Menschen zu treffen und mich „zu beruhigen“. Aber wie so oft wollte sich der Effekt dieser Behandlung nicht sofort einstellen. Und als die Medikamente dann auch noch begannen Nebenwirkungen zu erzeugen, war’s das mit der Geduld.

Wie auch immer. Ich brach die Behandlung ab.

Zu diesem Zeitpunkt änderte ich meinen Beruf und wurde Buchhändler. Selbstverständlich ist das kein klassisch „leichter“ Job, verglichen mit dem, was ich zuvor arbeitete, war es allerdings fast schon eine Beschäftigung gewordene Ruhephase. Fast sechs Jahre lang blieb ich dabei.

Zur Zeit habe ich wieder einen anspruchsvollen, stressigen und vor allem auseinandersetzungsintensiven Job. Ich werde vielleicht später einmal davon erzählen – aber sagen wir einfach, dass die Emotionen relativ schnell relativ hoch kochen. Es geht um Geld und Existenzen – da ist das nicht weiter verwunderlich.

Meine Depression behielt ich jedenfalls. Sie war zu einem ständigen Begleiter geworden, den abzuschütteln mir schlicht nicht gelang. Und mit der Zeit war der Versuch das zu tun auch immer weiter in den Hintergrund gerückt. Es war der Normalzustand geworden, dass ich mich stets müde und niedergeschlagen fühlte, schnell ausbrannte und nie länger als ein paar Stunden das Gefühl hatte kein furchtbar anstrengendes Leben führen zu müssen, auf das ich keine Lust hatte.

In letzter Zeit hat die Intensität aber rasant zugenommen. Ich bin also gezwungen etwas dagegen zu tun.

Selbstverständlich weiß ich nicht, ob mir das gelingen wird. Aber es ist doch so: Viel zu verlieren habe ich nicht. Und weil ich glaube, dass es da draußen viele gibt, denen es ähnlich geht, dachte ich mir, ich nutze diesen alten Blog um Fortschritte und Rückschläge, Höhen und Tiefen, Bücher und Apps, Dokumentationen und Ausflüge zu dokumentieren, die mich auf dem Weg raus aus dieser langjährigen Misere begleiten werden. Vielleicht hilft es ja dem einen oder der anderen dabei, sich selbst aufzuraffen.

Wie viele depressive Menschen bin ich nicht unbedingt der sozialste oder umgänglichste. Aber schließlich ist auch das ein Punkt, den ich ändern muss. Ich freue mich also darauf dem Eindruck, den ich seit einiger Zeit auf Twitter oder Instagram zu erzeugen versuche gerecht zu werden und vielleicht wirklich ein Mensch zu sein, der gerne kommuniziert. In diesem Sinne: Ich freue mich über Kontakt. Ihr dürft also gerne unter meinen Beiträgen schreiben – frei von der Leber weg.

Auf geht’s. Willkommen im Chaos.

Bild: Pixels.com

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, ehemaliger Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Früher habe ich hier nur über Bücher geschrieben. Jetzt schreibe ich hier nur über das Leben.

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