Therapie

Therapie #2 | Ein täglicher Schluck Gift

Ich bin nun schon seit einigen Wochen in Therapie. Der Ansatz ist … schwierig. Als ich das letzte Mal, nach meinem Burnout, in Therapie gegangen war, geschah das quasi auf Freud-Art – also in Form eines durch den Therapeuten gelenkten Gesprächs.

Damals hatte man mir einiges an Medikamenten verschrieben. Natürlich war ich trotzdem nicht ruhig. Ich wäre bestimmt noch schlimmer dran gewesen, hätte ich nichts davon genommen; aber von wahrer innerer Ruhe war ich so weit entfernt wie Donald Trump von einem passablen Präsidenten oder der nächstbeste Burger von ausgeglichener Ernährung. Nichts desto trotz … ich hatte entsprechende Unterstützung.

Diesmal ist das anders. Ich bin, sieht man von den wenigen Stunden der Therapie ab, allein mit meinen Gedanken. Und ich kann sie tatsächlich uneingeschränkt, ungebremst denken. Das … ist nicht unbedingt immer gesund.

Ich habe kein Burnout, wie damals, sondern eine ausgewachsene Depression. Eine doppelte Depression. Und wie ein doppelter Scotch brennt diese sich den Weg in ihren Besitzer hinein.

Es ist doch so: Ist der Schluck erstmal verinnerlicht, breitet sich die Hitze in einem aus. Oder die Kälte. Gift, in beiden Fällen – das eine für den Körper und das andere fürs Gemüht. Die Therapie ist der Moment, in dem man das Glas abstellt und es betrachtet. Es ist stets halb leer und doch voller als gut für einen ist. Es gibt jede Menge davon. Gläser. Gift. Jedes Mal bemüht man sich, das Glas nicht sofort wieder anzuheben und das nächste Brennen, das nächste Frieren auszulösen. Es gelingt einem nicht immer gleich gut.

Die Therapie diesmal ist auch ein Gespräch. Aber es ist nicht … geleitet. Es wird nicht durch die Absichten des Therapeuten und dessen Überzeugung geleitet, dass der Knopf durch vorsichtiges Ziehen an den richtigen Stellen gelöst werden kann. Nein. Diesmal muss sich der Knopf von alleine lösen. Das Sprechen soll ihn dazu ermuntern. Und ich bin mir … ehrlich gesagt … nicht ganz sicher, ob ich daran glauben kann.

Wir werden sehen.

Photo by Jeswin Thomas from Pexels

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, ehemaliger Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Früher habe ich hier nur über Bücher geschrieben. Jetzt schreibe ich hier nur über das Leben.

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