Buch

Steve Jobs: Die Biographie

KOMMENTAR. Der Apple-Gründer ist eine Ikone. Warum aber? Viele kennen sein Gesicht und wissen, dass Steve Jobs der Gründer von Apple ist. Warum dieser Mann, der in seinem Leben eigentlich nie wirklich selbst etwas erfunden hat, so wichtig für die Geschichte der Technik - und damit eigentlich unser aller Leben - ist. Und wie er wirklich war.

Eine Biographie. Und was für eine.

Das ist Mist.

Also nicht unbedingt die Biographie selbst, versteht sich. Ich glaube, einer so komplexen Persönlichkeit wie Steve Jobs gerecht zu werden ist nicht leicht für einen Biographen. Schließlich gibt es in Steve Jobs Leben nur wenige Konstanten. Und die, die es gibt, sorgen für Abwechslung.

Zum Beispiel die Tatsache, dass er gerne Menschen einfach so in die Enge getrieben hat – nur um festzustellen, ob sie ihre Sache besser machen können. Sein Verschleiß an Lebensglück fremder Menschen war so hoch wie die Dummheit der meisten seiner Argumente dafür, warum es ihm nichts wert war. Im Grunde kann man Steve Jobs als einen der unsympathischsten Menschen auf diesem Planeten sehen.

Nicht, dass er nicht auch gute Seiten gehabt hätte. Aber wo viel Schatten ist, da strahlt das wenige Licht umso mehr. So scheint mir alles, was in dieser Biographie auch nur irgendwie positiv über ihn gesagt wird (und sich nicht auf die durch ihn repräsentierte Leistung bezieht) aus einer abgegriffenen Kiste mit der Aufschrift „Naja … aber wenigstens hat er einmal“ zu stammen. Ja, er hat großes geleistet. Noch größeres hat er leisten lassen und anschließend behauptet, er habe es selbst geschafft.

Sein Kontrollzwang, seine labile Psyche, sein Schwäche im Umgang mit dem Thema Menschlichkeit – all das arbeitet Walter Isaacson akribisch aus. Er zeigt Steve Jobs so, wie ihn bestimmt nicht viele sahen; steht er für die Meisten doch einfach für Eleganz und Fortschritt.

Blut, Schweiß und Tränen

Ich weiß natürlich nicht, wie akkurat sämtliche Erlebnisse im Leben von Steve Jobs wiedergegeben werden, die Isaacson aufgreift. Aber aus den Reaktionen seiner Wegbegleiter lässt sich ganz gut schließen, dass er der Wahrheit (wie ein ehemaliger Mitarbeiter von Jobs, Al Gore, sagen würde „an inconvenient truth“) recht nahe gekommen ist.

Was schließen wir daraus? Wie so oft in der Geschichte der Menschheit wird Fortschritt mit Blut, Schweiß und Tränen geschaffen. Und Steve Jobs hat mehr davon vergossen, als sein recht unschuldiges Konterfei auf dem Cover des Buches vermuten lässt. In seinem privaten Umfeld, in seinen Firmen – und schließlich auch vor den Tempeln seiner erschaffenen Religion: Den Apple-Stores, nachdem sein Tod bekannt wurde.

Er war vermutlich ein Mistkerl. Aber eine der spannendsten, einflussreichsten und interessantesten Figuren in unserer Geschichte.

Zum Schluß

Isaacson lässt übrigens, dem Kontrollzwang Jobs geschuldet, der diesen im Bezug auf die Biographie nicht mehr ausleben konnte, mit dessen eigenen Worten enden. Weil Jobs meistens das letzte Wort hat. Ich finde die Idee gut, die Ausführung aber mangelhaft. Das, was Jobs nämlich zu dem Buch gesagt hätte, deckt sich genau mit dem, was er über meine Rezension gedacht hätte. Und so will ich ihm auch hier die letzten Worte lassen. Das Buch hab‘ ich ja gern gelesen. Aber…

Das ist Mist.


Buchinformationen

Walter Isaacson
Steve Jobs

BTB Verlag
Taschenbuch

DE € 12.99 || AT € 13.40
ISBN 978-3-442-74491-6

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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