Der rote Faden

Meine Depressionen sind Scheiße aber vorbei

body of water during golden hour

Als ich 16 war begannen meine Depressionen. Letztes Jahr, irgendwann im Herbst, habe ich sie weitestgehend hinter mir gelassen. Klar … ganz streift man sowas nie ab. Aber: Es ist deutlich, deutlich besser.

Die Unzufriedenheit, die ich über Jahrzehnte mit mir geschleift habe, ist geblieben. Was allerdings beinahe rückstandslos verschwunden ist, ist die grundsätzliche Angst vor allem. Ich kann telefonieren ohne zuvor zittern zu müssen. Jemand, der mir blöd kommt, ist vielleicht einfach nur ein Idiot – nicht jemand, der sich zurecht über mich lustig macht.

Es fühlt sich wesentlich besser an. Jetzt fehlt allerdings nur noch eines: Die richtige Beschäftigung.

Mein ganzes Leben musste ich mich treiben lassen. Damit ist nicht gemeint, dass ich zu Hause gesessen und mich vollgefressen hätte. Naja. Jedenfalls nicht Vollzeit. Die meiste Zeit über habe ich gearbeitet (die längste Zeitspanne, in der ich nicht arbeiten war, erstreckte sich über einen Zeitraum von drei oder vier Wochen). Aber ich war nie so recht zufrieden mit dem, was ich tat.

Zuerst war ich Berufssoldat. Das ist nicht so schlimm, wie es sich anhört. Man wurde durchaus gut versorgt, kam viel an die frische Luft und hatte (hie und da wenigstens) Grund mit sich zufrieden zu sein. Und wäre man sportlich auch noch eine Kanone (anstatt nur ständig eine mit sich herumzuschleppen), wäre es ein tolles Leben geworden. Aber ich bin unfähig mehr als ein paar Liegestütze hintereinander zu machen und Klimmzüge schaffe ich nicht einmal dann, wenn ein Snickers “dort oben” auf mich wartet.

Danach habe ich für einen großen Konzern gearbeitet. Da haben sich alle meine Stärken vielleicht am besten einsetzen lassen. Aber anstatt mit meiner Arbeit Menschen zu helfen trug ich allenfalls dazu bei sie arbeitslos zu machen. Denn nichts anderes tut man, wenn man an der Effizienz der Abläufe arbeitet; egal, wie man es sieht.

Tatsächlich ging es mir irgendwann in diesem Job so schlecht, dass ich völlig ausbrannte und Buchhändler wurde. Ich kam ja ohnehin aus dem Verkauf und sprechen konnte ich. Von meinen Depressionen hat man dort sicherlich so viel gemerkt wie bei Robin Williams – nämlich nichts. Und obwohl er für seine schauspielerischen Leistungen einen Oscar erhielt und ich nicht wusste ich irgendwann, dass ich wieder etwas anderes machen wollte als Menschen gute Laune in gedruckter Form zu verkaufen. Nicht, dass daran etwas schlechtes war – es war nur anstrengend.

Tja. Und dann wurde ich Personalverrechner. Ein Job, der so beliebt ist, dass keiner in machen möchte. Aber ich dachte damals, dass es schon egal wäre – man verdient gutes Geld und opferte dafür allerhöchstens ein paar Jahre seines Lebens, die einem in Form von Herzinfarkten vom karmischen Konto abgezogen wurden. Nachdem ich ohnehin schlecht gelaunt durchs Leben ging und keine Perspektive hatte, war es auch vollkommen egal, dass mir der Job gar nicht lag. Oder liegt. Ich mach’s ja noch immer.

Klingt alles, als hätte ich eh ständig etwas neues ausprobiert und aus den jeweiligen Berufen etwas gelernt? Tja. Stimmt. Was ich hier aber nicht in den Vordergrund gebracht habe ist, dass diese Jobs mir jeweils zuflogen. Berufssoldat wurde ich, weil ich nach dem Grundwehrdienst nichts besseres wusste. Zum Konzern kam ich, weil ich der einzige Bewerber für eine Stelle war, die innerhalb weniger Wochen nach meinem Start extrem aufgewertet wurde. Die Buchhandlung gehörte meine Mutter und auch jetzt arbeite ich noch für sie.

Aber.

Jeder dieser Jobs hat stärken von mir befeuert, ohne dass es sich befriedigend anfühlte. Jetzt will ich wieder etwas anderes machen.

Früher habe ich, an dieser Stelle, einen Bücher-Blog betrieben. Aber ich habe das nie mit dem notwendigen Ernstgemacht. Das lag, zum größten Teil, daran, dass ich mich in der Bücher-Bubble nie 100%ig wohl gefühlt habe. Die heile Welt, die dort vorgeherrscht hat, hat mich angezogen wie das Licht die Motte – aber wie diese musste ich feststellen, dass es außer einer Menge “Hell” nichts für mich zu holen gab. Andere fühlten sich dort wohl. Ich hab das immer beneidet. Aber … für mich war das eben nichts.

Und deshalb werde ich jetzt ein neues Projekt starten.

Meine “Heilung”, auch wenn sie noch nicht vollkommen ist, fand mitten in einer globalen Pandemie statt. Ist eigentlich zum Lachen, wenn man genauer darüber nachdenkt. Der Zeitpunkt, an dem ich mich wieder freiwillig mit anderen Menschen treffen würde ist auch der Zeitpunkt, an dem das nicht um die Burg möglich ist. 😂

Aber wo ich früher stark verzweifelt wäre (ein Job, den ich nicht unbedingt ewig behalten will, eine Pandemie, die jedes post-Depressions-“Wachsen” verhindert) möchte ich meine Zeit jetzt anders nutzen. Ich will einerseits meine Erfahrungen teilen und andererseits etwas tun, von dem ich wirklich überzeugt bin.

Ich würde gerne Menschen beibringen, wie sie das 21. Jahrhundert für ihre Zwecke nutzen. Ich möchte ihnen Wege aufzeigen, die ihnen das (Arbeits-) Leben so einfach wie möglich machen. Klar … da ist nicht für alle etwas dabei. Aber für viele. Und außerdem: Es ist sowieso noch eine Weile Flaute, was die Party-Szene anlangt. Warum also nicht die Zeit nutzen und etwas neues Lernen?

Deshalb: Herzlich Willkommen auf meiner neuen Plattform. Hier werde ich Anfängern und solchen, die erst mal überhaupt Anfänger werden wollen zeigen, wie wir die künstlichen Intelligenzen in unseren Hosentaschen nutzen können um uns zu organisieren, um zu lernen um zu wachsen. Und – nicht zuletzt, weil ich als ehemaliger Buchhändler auch vom einen oder anderen Buch überzeugt bin – kurz und prägnant herausheben, was wir aus dem einen oder anderen papiergewordenen Ratschlag mitnehmen können.

Ich freue mich darauf.

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, ehemaliger Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Früher habe ich hier nur über Bücher geschrieben. Jetzt schreibe ich hier nur über das Leben.

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