Zeitunglesen ist der wahre Horror.
Als Buchhändler lese ich viel. In erster Linie versuche ich den Überblick zu behalten, in zweiter den Verstand. Die täglichen Nachrichten aus allen Ecken dieser Welt sind voller Blut, Schweiß und Verzweiflung. Neu ist das nicht – für immer wenigere unter uns.
Gerne wird die Nase über der “Genreliteratur” gerümpft, werden Science Fiction, Horror- und Fantasy-Literatur als allzu profan dargestellt. Zu unrecht. Aber selbst, wenn das Herabschauen gerechtfertigt wäre, wenn die Bücher dieser Gattung per se schlechter wären als die literarischen Lieblinge der Hochkultur: Ist »Eskapismus« im Angesicht der sich beständig aufbauenden Krisen und Katastrophen unverständlich?
Fliehen
Ich lese gerne abseits. Und ich unterhalte mich gerne über die andere Literatur. Auch, wenn ich einigermaßen talentbefreit bin: ich mag es, über das, was ich gelesen habe, zu schreiben. Für und mit allen, die auch einen Blick über den Tellerrand werfen wollen. Auf andere Teller. Auf andere Ränder. In die Zukunft oder Vergangenheit, ins Maul der Bestie oder andere Welten. Ich fliehe vielleicht ein bisschen – wenn auch nur für einige, wenige Stunden. Und für die, die es mir gleichtun wollen, möchte ich gerne ein Weggefährte sein.
Ich lese aber auch gerne innerhalb. Darüber unterhalte ich mich nicht minder gerne – auch, wenn ich noch viel talentbefreiter dabei bin, diese Bücher zu besprechen. Trotz allen, die ihre Nasen rümpfen, wenn sie ihren kritischen Blick auf meinen Teller werfen. Es ist mein Teller. Mein Blog. Und meine Freizeit.
Viel Spaß.
-ds
Ursprünglich veröffentlicht: 5. Februar 2023
Zuletzt vollständig überarbeitet: 30. August 2025
