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X-Men: Apocalypse

Das X-Men-Universum ist älter als das "Marvel Cinematic Universe" und glänzt vor allem durch sein in sich geschlossen logisches Ökosystem. Wir wissen was kommt - oder zumindest, was kommen kann. Lohnt es sich aber die neueste Fortsetzung zu sehen? Ich glaube, die Antwort lautet 'Jein' - und hier ist das 'Warum'.

Die Welt am Abgrund

X-Men_-_Apocalypse
[1] Copyright

16 Jahre. So lange ist es her, dass Patrick Steward und Ian McKellen sich zum ersten Mal die Ehre gaben Professor X und Magneto zu verkörpern; jenes Duo um das sich die X-Men-Filme seit dem Jahr 2000 drehen. Inzwischen wurden die beiden durch jüngere Schauspieler ersetzt – die Geschichte der X-Men ist jedoch weiter gewachsen.

Zugegeben: nicht unbedingt (wie üblich) indem deren Lebenswege weiter verfolgt wurden. Vielmehr haben die X-Men in die Vergangenheit expandiert. Ein kluger Schachzug, bedenkt man zwei Dinge.

  1. In Superhelden-Filmen kann man auch die Vergangenheit völlig neu interpretieren. Auf die Realität muss somit ohnehin nicht viel Rücksicht genommen werden.
  2. Auf diese Weise kann man nicht nur einige, sondern gleich alle Figuren in den Jungbrunnen werfen.

Wir kennen also, wenn wir uns aktuelle X-Men-Filme ansehen, vor allem die Zukunft der Charaktere. Wie wirkt sich das aber auf das Kino-Erlebnis aus?

Plot

Ist es das, was ich bin?
(Erik Lensherr, Gelegenheitsmörder)

Nach den Ereignissen des letzten X-Men-Films hat sich Magneto dorthin zurückgezogen, wo er schon immer leben wollte. Das kommunistische, arbeitsame Polen ist für ihn mehr als nur ein Versteck; es ist sein höchstpersönlicher Neuanfang. Zum ersten Mal fühlt sich der ehemalige KZ-Häftling an einem Ort wohl. Wohl; nicht sicher. Seine Frau und seine Tochter ernährt der ehemals gefürchtetste Mutant des Planeten mit seiner Tätigkeit im örtlichen (ja – wie könnte es anders sein?) Stahlwerk.

Alles scheint endlich gut zu gehen und die idyllischen Bilder seines Heims vermitteln den Eindruck, dass er es endlich geschafft hat seinen Frieden zu finden. Ich meine … der Mann hat Rehe in seinem Vorgarten.

Durch einen Zwischenfall im Stahlwerk wird er jedoch enttarnt und kurz darauf aufgespürt. Einige Polizisten, die sich vorsorglich mit hölzernen Pfeilen und Bögen bewaffnet hatten um die Fähigkeiten des Mutanten nicht zu ihrem eigenen Tod werden zu lassen, stellen ihn. Durch einen tragischen Unfall kommt es bei genau jenem Versuch der Verhaftung dann zum Tod von Frau und Kind – und Erik Lensherr ist wieder da, wo er angefangen hat: Beim Hass auf die Menschheit.

Währenddessen spukt ein Geist aus der Vergangenheit durch die Weltgeschichte und sammelt Anhänger. Der im alten Ägypten als Gott verehrte älteste Mutant der Welt (dessen Namen absolut unausprechlich ist) verpflichtet neben Magneto noch Storm, die als jugendlich ein wenig … orientierungslos und auf sich allein gestellt agiert. Zusammen mit den beiden anderen Mutanten (Angel und Shylock) bilden sie die Gruppe der vier apokalyptischen Reiter, die dem Möchtegern-Gott als Leibgarde dienen. Warum er allerdings genau diese vier aussucht erschließt sich dem versierten Seher nicht. Gut … Magneto und Storm sind cool. Aber ‚Angel‘ und ‚Shylock‘? Deren Fähigkeiten sind wohl kaum besonders großartig. Der eine kann fliegen und (nach einem Upgrade durch den Ägypter) Metallfedern schießen – die andere Energiewaffen formen. Toll. Da wäre zB Jean Grey ein viel logischeres Ziel seiner Suche, ist sie doch die mächtigste Mutantin bis zu seinem Auftreten.

Hach. Jean Grey. Ein weiteres Thema. Aus der Perspektive des zukünftigen Cyclops lernen wir die mächtigste Mutantin von allen als junge Frau kennen, die am Campus ein wenig isoliert versucht die Schule bestmöglich abzuschließen. Sie wirkt anfangs zwar ein wenig ruppig und unsicher, mausert sich aber recht schnell zu einer großen Stütze für das Team. Leider wird ihre Geschichte ein wenig vernachlässigt und ihre Kräfte werden zu wenig gut eingeführt. Aber naja.

Tja. Nach einem fulminanten und bildgewaltigen Start im alten Ägypten plätschert erstmal alles so dahin. Und dann? Genau. Dann kollidiert plötzlich alles und findet in einem großen Kampf um nichts weniger als den gesamten Planeten seinen Höhepunkt. Nicht vollends neu, aber solide Superhelden-Unterhaltung.

Nur, wenn man sie kennt

Obwohl im Film wirklich viel Wert darauf gelegt wurde die einzelnen Figuren und ihre Fähigkeiten zu erklären (oder vielmehr: an deren Fähigkeiten zu erinnern), ist es eigentlich nur bei Scott Summers (später „Cyclops“), Magneto und Storm so richtig geglückt. Alle anderen Charaktere wirken stellenweise wie Trichter für Deus-Ex-Machina-Elemente. Zumindest dann, wenn man die Filme seit 2000 nicht oder nur teilweise gesehen hat.

Auch der Gastauftritt des vielleicht ikonischsten X-Men wirkt, als wäre er nichts weiter als ein Plothole-Flicker gewesen. Vor allem, weil sein Auftritt nicht und nicht in die Zeitlinie passen will, die man mit der alten Darsteller-Riege (also Steward und McKellen) aufgebaut hatte. Aber natürlich ist es immer schön ihn zu sehen. 😉

Für Kenner der Filme kommt der Film hingegen ohne große Überraschungen daher. Schockierende Momente bleiben aus, Wendungen kommen wie man sie erwartet – und insgesamt ist die Handlung relativ vorhersehbar. Gelegentlich fühlt es sich an wie eine überdimensioniert teure Folge einer langen Serie. Aber einer, die man gerne sieht.

Die humoristischen Einlagen waren beinahe allesamt auf Quicksilver zurückzuführen. Immer wieder taucht dieser nämlich auf und überzeugt mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit und seinem Humor. Habe ich vorher etwas von fehlenden Überraschungen gesagt? Nun … vielleicht ist er die Ausnahme. Seine Show-Einlagen kann man nämlich nur schwer vorhersehen; und seine Lösungsansätze sind auffallend verhaltensoriginell. Er brachte das Kino-Publikum zum Lachen ohne völlig fehl am Platze zu wirken.

Neue Darsteller

Neben den inzwischen etablierten neuen Darstellern der Haupt-Kontrahenten konnte ich unter den jungen Schauspielern niemanden finden, der gepatzt hätte. Sie alle machen ihre Sache wirklich ausnehmend gut. Ich mochte es besonders Storm und Jean Grey als Jugendliche zu sehen – und auch die Geschichte von Scott Summers war spannend. Endlich wird die Frage beantwortet, wie jemand mit ‚Laser-Augen‘ überhaupt alt genug werden konnte um zum Superhelden zu mutieren.

Ich bin außerdem kein besonderer Fan von Jenifer Lawrence – muss aber erwähnen, dass sie ihre Rolle solide gespielt hat. Mystique ist allerdings auch eine sensationelle Figur. Aus meiner Perspektive war allerdings Rebecca Romijn einen Ticken besser in der Rolle. Wollt‘ ich nur gesagt haben. 😀

Fazit

Mir hat der Film gefallen – auch wenn er mich nicht vom sprichwörtlichen Hocker gerissen hat. Das vielleicht Beste an ihm war, dass er die Geschichte von Magneto und Storm um eine Facette bereichert hat. Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, wie jemand den Film sehen würde, der die Figuren nicht kennt.

Dementsprechend rate ich auch dazu sich entweder die vorherigen Filme noch einmal anzusehen, bevor man sich ins Kino setzt – oder den Film auszulassen. Meinen Segen habt Ihr dafür jedenfalls. 😉

Habt Ihr den Film schon gesehen? Seid Ihr meiner Meinung? Sprecht zu mir! 😀


 

Anmerkungen
[Titelbild] Das Titelbild ist Eigentum von 20th Century Fox.

[1] By Source, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=47213874

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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