Redaktionell

Warum Science Fiction? #1

SCIENCE FICTION ist ein fürchterlich unterschätztes Genre. Ob in Buch oder Film - der Blick in die Zukunft hat viele Generationen von uns geprägt und wird noch weit über uns hinauswirken. Doch was hat sie eigentlich zu bieten?

Warum man Science Fiction lesen sollte

Der Blick in die Zukunft fasziniert die Menschheit seit eh und je. Ob als ‚Seher‘ oder ‚Schriftsteller‘ – unsere Kulturen haben allesamt Respekt vor Menschen, die sich mit dem, was erst noch kommen wird, auseinander setzen. Mal mehr – mal weniger.

Die SciFi-Literatur erlebte – wie viele andere Genres auch – viele Höhen und Tiefen. Ihr Einfluss auf Wissenschaft und Technik ist allerdings gigantisch. Während des zweiten Weltkriegs ließ das US-Militär beispielsweise die einschlägige Literatur durchforsten um dort neue Ideen zur Kriegsführung zu erhalten. In den 1970ern waren Schriftsteller wie Isaac Asimov oder Arthur C Clarke maßgeblich an der Zusammenstellung jener Botschaften beteiligt, die mit der Raumsonde Voyager auf Reise ins All gingen. Bei der NASA arbeiten mehr Trekkies (Fans der Fernsehserie ‚Star Trek‘) als man glauben möchte und unzählige Ingenieure und Wissenschafter ließen sich von den Werken der Autoren inspirieren. Ohne sie gäbe es heute weder Schiebetüren noch Handys.

Die Vielfalt des Genres ist übrigens immens. Das macht es nicht gerade einfach sich einen Überblick zu verschaffen. Und weil ich davon überzeugt bin, dass es sich bei der Science Fiction um ein unglaublich unterschätztes Genre handelt, möchte ich ein wenig darüber plaudern was sie denn so ausmacht – und was sie drauf hat. Um den Überblick dabei selbst nicht zu verlieren, werde ich das in mehreren Artikeln zum Thema tun und dabei jeweils zwei (oder mehr) unterschiedliche Blickwinkel einander gegenüberstellen.

Beginnen möchte ich dabei mit einer Dichotomie, wie sie simpler nicht sein könnte: Gut gegen Böse … oder vielmehr ‚Hoffnung‘ gegen ‚Befürchtung‘. 🙂

Dystopie und Utopie

Optimisten und Pessimisten – halb leere und halb volle Gläser. Wie überall sonst auch gibt es unter SciFi- und sonstigen Schriftsteller diejenigen, deren Erwartungshaltung an die Zukunft einen gewissermaßen positiven Grundton hat und jene, die lieber vor hinkünftigen Missständen warnen wollen. In der einschlägigen Literatur (aber natürlich nicht nur dort) gibt es eine Vielzahl an Beispielen für beide Geisteshaltungen.

Für die Science Fiction, deren Hauptaufgabe es ja ist einen Blick in die Zukunft zu werfen, kann man beinahe sagen, dass jedes Werk entlang dieser Utopie- / Dystopie-Achse bewertet werden kann. „Star Trek“ ist eine lupenreine Utopie – auch, wenn der Untergang oft kurz bevorsteht. Das Vereinen der Menschheit steht im Vordergrund, egal an welchen Ecken und Enden des Universums das Chaos losbricht.

„Mad Max“, zum Beispiel, ist das genaue Gegenteil. Hier wird eine post-apokalyptische Vision gezeigt; eine (actiongeladene) Warnung vor einer möglichen Zukunft, in der die Menschheit Mist gebaut hat. Oder wer kennt nicht den Ever-Soylent-Green „Jahr 2022 … die überleben wollen“?

Doch was sind diese beiden gegensätzlichen Pole eigentlich genau?

Utopie – Traummännlein im Dienst

utopiaDer Blick in die Zukunft war nicht immer so negativ wie heute. Große Sprünge in der Technik machten es ausgesprochen spannend sich eine Welt vorzustellen, in der zB Maschinen die Arbeit des Menschen übernehmen und diesem somit jede Menge Freizeit bleibt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts – in Sachen Freizeit definitiv eine furchtbare Ära mit Kinderarbeit und nahezu-Versklavung der Lohnarbeiter – spekulierten sozialistische Utopisten besonders gerne darüber, wie eine gerechte Welt aussehen könnte.

In den 1950ern wurden schließlich recht lebhafte Debatten darüber geführt, wie der Mensch die durch die Automation plötzlich verfügbare Freizeit nutzen wird. Aus heutiger Perspektive natürlich furchtbar … äh … utopische Gespräche. Vielleicht waren es auch diese enttäuschten Theoretiker, die der heutigen Dominanz vom Gegenteil der Utopie, der Dystopie, auf die Beine halfen.

Der Ursprung dieser Gattung liegt übrigens im Werk ‚Utopia‘ von Thomas Moore, der es im 15. Jahrhundert geschrieben hat. Zwar kann man noch nicht recht von ‚Science Fiction‘ sprechen weil die Technologie nicht im Fokus des Werks stand. Die Extrapolation von gesellschaftlichen Strömungen hingegen (zusammen mit der Tatsache, dass Hr. Moore seine Zukunftsvision als positiv betrachtete) legte allerdings den Samen für spätere SciFi-Utopien.

Dystopie – Der Sauertopf

1984Wenn es im Kino Richtung Zukunft geht, dann hat das Ganze (zumindest heute) oft einen bitteren Beigeschmack. Ob nun im Weltraum oder nicht – zumeist übernehmen Konzerne oder böse Herrscher das Ruder und fahren die Menschheit mit Höchstgeschwindigkeit in den Abgrund.

Und tatsächlich scheinen viele dystopische Visionen heute ihren langsamen Gang in die Gegenwart angetreten zu haben. Zu den bekanntesten Werken zählt sicherlich George Orwells Werk 1984, in dem sich ein totalitärer Überwachungsstaat gebildet und die Kontrolle über das Leben seiner Untertanen übernommen hat. Freilich sind die beschriebenen technischen Mittel retrospektiv als eher unwahrscheinlich einzustufen – aber die Richtung selbst scheint tatsächlich eingeschlagen worden zu sein.

Hätte man Mitte der 1990er irgendwo erwähnt, dass jemand das gesamte Internet zu kopieren versucht – man hätte demjenigen dringend angeraten sich einen Alu-Hut aufzusetzen um sich vor Illuminaten-Strahlen aus dem Weltraum zu schützen.

Der eigentümliche Pessimismus unserer Zeit, angefacht von den großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen unserer Zeit, sorgt jedenfalls für einen anhaltenden Strom an neuen Werken in der Literatur und im Film für die eines klar ist: Alles geht den Bach runter.

Aus Dramaturgischer Perspektive darf man außerdem folgendes nicht vergessen: Solche Szenarios sind besonders gut dazu geeignet spannende Geschichten zu vermitteln. Wenn alles explodiert und in die Luft geht, dann ist Action nahezu garantiert. 😉

Was ist eigentlich daraus geworden?

Spannend ist ja in der Science Fiction vor allem eines: Die Frage danach, wer die Zukunft am besten vorhergesagt hat. Es ist vielleicht sogar einer der besten Gründe dafür sich überhaupt mit ihr auseinander zu setzen. Ob wir nun in der Verwirklichung einer Utopie oder eher einer Dystopie leben, die in vergangenen Zeiten ersonnen wurde, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Aber klar ist, dass vieles, was sich Schriftsteller erdacht haben, tatsächlich eingetreten ist oder realisiert wurde.

Aber das sind zwei Themen fürs nächste Mal. 🙂

Raus mit der Sprache! Ist das Glas in Euren Büchern tendenziell halb leer oder halb voll? 😀

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

2 Comments

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Dein Senf:

  • Halb leer 🙂 Und ich bevorzuge die, wie ich letztens in einem Artikel las, sogenannte „Cli-Fi“, wie sie z.B. Margaret Atwood schreibt – die meiner Meinung nach berechtigte Ansprüche auf die beste Vorhersagerin hat.

    • Bisher war mir „Cli-Fi“ ausgesprochen unbekannt. Mit Atwood wollte ich mich schon immer mal beschäftigen – bin aber bisher noch nicht dazu gekommen. Ein weiterer Anlass. 😉

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