Film & Serie

Warum das Ghostbusters-Reboot so leidenschaftlich gehasst wird

Selten hat ein Trailer weniger überzeugt, ja sogar unglaublich negative Reaktionen nach sich gezogen, als das Ghostbusters-Remake. Woran liegt das?

Alles auf Anfang – alles auf das falsche Pferd

Ghostbusters_2016_film_posterSelbst das Poster hält sich dicht ans Original: Es ist beinahe unverändert.

Wenn eine tolle Produktion am Horizont auftaucht, wirft sie vor allem eins voraus: Schatten. Und diese Schatten sind meist in Form von Internet-Trollen unterwegs um allen anderen die gute Stimmung zu vermiesen. Auf Krawall gebürstete Kommentare säumen dann die Trailer der kommenden Filme und provozieren die (potenziellen) Fans noch lange bevor das erste Kino die ersten Tickets verkauft.

So weit, so gut. Was aber, wenn sich das Verhältnis von „Hatern“ und Fans umkehrt?

Genau das ist nun passiert – und zwar in einer (soweit ich mich erinnern kann) noch nie dagewesenen Proportion. Der nächste Hollywood-Streifen „Ghostbusters“ hat auf YouTube weit mehr negative Reaktionen (über 470.000) denn positive (knapp 200.000) erhalten. Das ist bitter, in so fern ist es verständlich wenn viele sich jetzt wundern. Einige behaupten, dass diese unglaublich ablehnende Grundstimmung einzig und allein dem Umstand geschuldet ist, dass der männliche Cast des Originals durch Frauen ersetzt wurde. Doch das greift nicht nur zu kurz, sondern ist selbst Ausdruck einer unbegründeten Abwehrhaltung.

Man kann nicht einfach nur die Tapeten wechseln, wenn man neuen Raum braucht

Tatsächlich kann man über den Film ja noch nicht all zu viel sagen. Doch die neue Hollywood-Tradition in Form von überbordend langen Trailern große Teile der Handlung vorweg zu nehmen ist schon hilfreich, wenn man Stimmung und Thema eines Streifens beurteilen möchte. Und so kann man zumindest schon feststellen, dass Kreativität tatsächlich nicht die größte Rolle im Produktionsprozess gespielt zu haben scheint.

Viele Szenen sind Fans des Originals noch sehr gut bekannt und wurden scheinbar nachgestellt. Dass dabei die kreativen (wenn auch aus heutiger Perspektive verhältnismäßig primitiven) Special-Effects durch popelige CGIs ersetzt wurden ist in den Augen der Mehrheit ein Sakrileg – aber vermutlich nur der als mangelhaft empfundenen Qualität wegen. Den meisten Aufruhr scheint dabei übrigens erzeugt zu haben, dass der Geist in der Bibliothek (eine mit dem Rücken zum Bild stehende Dame, die von den Protagonisten angesprochen wird und sich beim Umdrehen als furchtbares Gespenst entpuppt) prominent in Szene gesetzt wird. Hier wirkt es tatsächlich so, als hätte man eine Art ‚Copy & Paste‘ vor sich.

In ihrem Video zum Trailer geht Comic Book Girl 19, die auf YouTube einen relativ prominenten, nerdigen Video-Blog betreibt, genauer darauf ein und fragt sich, ob Hollywood in Sachen Remake endgültig zu weit gegangen ist. Ich kann nur sagen, dass es ganz danach aussieht. Generell spürt man, dass in der gesamten Comic- und Filmwelt langsam die kreative Flaute Einzug hält, die man offenbar mit den ganzen Reboots überspielen möchte.

Es reicht nicht, das Geschlecht zu wechseln um modern zu sein

Ein Aspekt, den sie dabei übrigens herausgreift, ist der Geschlechtswechsel. Auch hier stimme ich mit ihr 100%ig überein (weswegen ich das Video weiter unten verlinkt habe). Es reicht einfach nicht, wenn man sensationelle Schauspieler wie Dan Aykroyd oder Bill Murray durch weibliche Schauspieler ersetzt. Deren Leistung kann ich zwar noch nicht beurteilen (Melissa McCarthy einmal ausgenommen, von der ich aber kein Fan bin) – aber ob sie den einzigartigen Ton des Originals treffen (oder sogar verbessern) können, bezweifle ich. Weil auch ich ein Fan des Originals bin.

Dass Thor-Darsteller Chris Hemsworth die Rolle der Sekretärin Jeany übernimmt ist dabei übrigens auch wenig hilfreich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in diesem Film zur Bestform auflaufen wird.

Ich hätte mir einen wirklich modernen Ansatz gewünscht, in dem es eine gemischte Truppe gibt.

Ist man mitschuld an der sinkenden Qualität von Filmen, wenn man sie sich ansieht?

Eine Frage, die nicht nur beim von mir verlinkten Video von CBG19 auftaucht ist übrigens folgende: Macht man sich mitschuldig an der sinkenden Qualität von Hollywood-Remakes, wenn man die Filme im Kino sieht? Ich kann sie nicht ganz eindeutig beantworten. Aber unrecht hat sie jedenfalls nicht, wenn sie das behauptet. Schließlich sind die Verkaufszahlen das einzige, was für die Produktionsbetriebe zählt.

Ich habe für mich noch nicht entschieden, ob ich hingehen will. Wie sieht das bei Euch aus? 🙂

Comic Book Girl 19 zum Reboot

Anmerkungen

Das Titelbild ist ein Screenshot von YouTube. Die Rechte am Filmposter bzw dem Inhalt des Trailers liegen bei Village Roadshow bzw Columbia Pictures.

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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