Buch Stephen King Mai 2017 SubReduktion

The Shining: Das zweite Gesicht

Vorahnungen. Wir alle haben sie ab und an. Wenn sie aber dieses Hotel betreffen, dann ist eines gewiss: Sie gehen in Erfüllung. Zumindest die schlimmsten.

Dieses Buch habe ich auch im Rahmen des „Stephen King Mai 2017“ gelesen.

(K)eine Idylle

Eigentlich klingt doch alles traumhaft, oder? Ich meine … eingeschneit in einem Luxushotel zu wohnen ist bestimmt vieles – aber kein schlechter Job. Klar. Hier und da muss ein wenig ausgebessert werden. Ein paar Türen gehören geölt und der Heizkessel immer wieder entlüftet – aber ansonsten gibt es wenig zu tun.

Luxuriös sterben?

Tja. Wie gesagt. Klingt traumhaft. Oder besser: klänge traumhaft, gebe es da nicht diese eine Sache, die einem die Aussicht auf einen Winterjob im Hotelgewerbe vermiesen kann. Diese eine Sache. Die kleine Tatsache, die während des Einstellungsgesprächs niemand erwähnt hat. Dass das Hotel nämlich, in dem man sich eigentlich am liebsten ein gutes Buch schnappen, sich auf das Sofa vor dem Kamin legen und es sich so richtig gemütlich machen möchte, während der Schnee draußen alles mit makellosem Weiß überzieht, versuchen wird einen umzubringen.

Gut … selbst wenn dem Overlook Hotel, das inmitten der Gebirge von Colorado den Winter über leer steht, erfolgreich damit sein sollte: In schlechter Gesellschaft wäre man deshalb noch lange nicht. Jack, der nach einer langanhaltenden Serie von selbst verschuldeten Niederschlägen nämlich dort landet, passt jedenfalls perfekt ins Bild: Seine (überwundene) Alkoholsucht, seine früheren Gewaltausbrüche – er hat jede Menge zu bieten. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau oder seinem Sohn, die aus ganz anderem Holz geschnitzt sind.

Besonders sein Sohn. Denn dieser besitzt das „Shining“, das zweite Gesicht, eine unheimliche Gabe der Vorahnung. Und eines sei gleich gesagt: im Overlook hat er kein gutes Gefühl.

Zurück in die 1980er

„The Shining“ ist sicherlich ein Highlight aus der Feder des Horror-Großmeisters und zählt wohl zum ewigen Kanon der Gruselliteratur. Ich liebe das Flair, das ihm innewohnt. Auf eigentümliche Weise finde ich, dass Stephen Kings Erzählungen stets einen Hauch der 1980er in sich tragen. Eine Zeit, in der Schreibmaschinen und – natürlich gedruckte – Bücher im Leben eines Autors tatsächlich noch eine Rolle spielten. Mit Jack ist King eine seiner überzeugendsten Figuren gelungen. Vielleicht auch deshalb, weil Jack eben ein (wenn auch verhinderter) Autor ist – und das in jener Zeit, in der King sein Handwerk zur Blüte gebracht hat.

Heute kann man sich darüber streiten, ob diese Blüte zu welken begonnen hat. Oder ob sie vielleicht sogar schon verdorrt ist. Ich persönlich glaube nicht, dass dem so ist. Und doch sind meine persönlichen King-Favoriten, jene Geschichten in die man so richtig hineinkippt und deren Geist man (vorsichtig, immer schön vorsichtig und möglichst nicht allein!) atmet, allesamt fest in der Zeit verankert, in die auch „The Shining“ gehört.

Die Tiefe der Charaktere – und seien diese auch nur für noch so kleine Szenen notwendig – ist selbst für seine Verhältnisse unerreicht. Und an manchen Stellen hat man sogar das Gefühl, dass es ein wenig kälter wird, während man sie liest. So kalt wie der Schnee in Colorado, wenn er das Overlook-Hotel und seine Insassen in eine weiche, weiße Decke hüllt.


Buchinformationen

Stephen King
The Shining

Bastei Lübbe Verlag
624 Seiten

(D) € 10.99 | (A) € 11.30
ISBN 9783404130085

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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