Buch

Star Trek: The Fall 2 („Der karminrote Schatten“)

Die lieben Cardassianer haben uns, in den Fernsehserien, schon manchen Schauer über den Rücken gejagt oder uns dazu gebracht den Kopf zu schütteln. Jetzt stehen sie im Rampenlicht.

Auf nach Cardassia!

theFall2Der zweite Teil der Star-Trek-Mini-Event-Serie „The Fall“ führt uns auf spannendes Terrain. Statt, wie im ersten Teil, auf eine neue Station verschlägt es uns nämlich auf einen altbekannten Planeten. Einen Planeten, von dem wir verhältnismäßig wenig wissen, wie wir feststellen werden. Cardassia. Ist das allein genug um den Roman spannend zu machen?

Als Heimatplanet von Gul Dukat und anderen Charakteren der Fernsehserie „Deep Space 9“ ist uns das kriegerische Übel der interplanetaren Gemeinschaft rund um Bajor nur allzugut bekannt: Cardassia. Zumindest was den Aspekt der Sklavenhaltung und des Militarismus anbelangt, der gerne benutzt wurde um einen Antagonisten für die religiösen Bajoraner und Captain Sisko zu schaffen, der sich eigentlich auf seine Rolle als Vermittler hätte konzentrieren wollen. Doch seit dieser Zeit wurde viel Kanar die Kehle heruntergespült.

Zehn Jahre ist es her, seit Cardassia gegen die Föderation und die Klingonen einen Krieg verlor, den das Dominion und besagter Gul Dukat angezettelt hatten. Das ist eine lange Zeit – und schön langsam wird darüber geredet, dass die Föderation ihre „Besatzung“ beenden sollte. Militär ist zwar schon länger keines mehr auf dem Planeten, aber der Verbleib einiger weniger Angehöriger der Sternenflotte und des Hilfspersonals (in Sachen Wiederaufbau) aus der Föderation sorgen für Unmut in der Bevölkerung.

Es regen sich dabei vor allem Nationalisten – und das ist kein Wunder. Schließlich erinnern diese die Bevölkerung an jene Zeiten, in denen ein Cardassianer allein auf die Tatsache Stolz sein konnte auf Cardassia geboren zu werden (oder notfalls noch auf einer cardassianischen Welt), während die fortschrittlichen Kräfte sich damit aufhalten Wahlen abzuhalten, von denen die Bevölkerung nichts versteht. Schließlich hat man schon genug damit zu tun Bauer zu sein, oder Handwerker – wie soll man sich da noch mit Politik auseinander setzen?

Was aus Garak wurde

Doch nicht alles läuft schlecht. Der zum Botschafter der Cardassianer in der Föderation aufgestiegene Schneider (Schneider? Auftragskiller? Spion?) Elim Garak hat es endlich geschafft die Präsidentin der Föderation dazu zu bringen einzusehen, dass die vermeintliche Besatzung ein Verfallsdatum benötigt. Ihm ist also zu verdanken, dass endlich wieder damit spekuliert werden darf, dass Cardassia in die Freiheit entlassen wird. Als er von dem Attentat erfährt ändert sich nicht nur seine Einschätzung der Lage völlig, sondern auch die Anzahl seiner Freunde.

Cardassianische Politik war noch nie leichtes Pflaster – das wussten wir schon zuvor. Wie es sich aber genau damit verhält erfahren wir in „Der karminrote Schatten“. Das ist übrigens auch der Titel jenes Buches, das Garak einem Protagonisten in diesem Roman schenkt: Jean-Luc Picard.

Zur Qualität

elimgarak
© Paramount Pictures

Insgesamt ist der zweite Band der Reihe „The Fall“ auch kein Meisterwerk. Gelegentlich bleibt die Handlung stecken und ein paar Seiten zuviel hat das Ganze sowieso. Dennoch ist es spannend die Charaktere mit Bezug zur besiegten, faschistischen Welt zu erleben – und die Veränderungen zu sehen, die sie im Laufe der Zeit durchgemacht haben.

Wäre nicht der Wiedererkennungswert ohnehin gegeben (schließlich kennt man eine gewisse Anzahl an Cardassianern und kann so die grundsätzlichen Eigenschaften die nicht beschrieben werden ergänzen), dann könnte man den Roman so nicht empfehlen. Wie bei vielen Star Trek – Büchern fehlt dem Text selbst einfach das gewisse etwas. Eigene Formulierungen, vielleicht. Etwas überraschendes, neues. Man merkt auch Una McCormack die Routiniertheit an, und das ist einfach ungut.

Garak wird in diesem Buch übrigens nicht dezidiert als schwul dargestellt – obwohl es wirklich duzende Hinweise gibt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die Macher von „ST: Deep Space Nine“ dem ursprünglich als schwul geplanten Charakter dann eine Affäre mit Gul Dukats Tochter umgehängt haben. Insgesamt findet ich, ist das gut gelöst und drängt sich nicht auf (heißt: Wird nicht, wie in anderen ST-Romanen üblich, in jeder Szene mit dem Charakter erwähnt).

„Der karminrote Schatten“ ist ein gut durchdachtes aber nur mäßig gut umgesetztes Abenteuer. Oft hat man das Gefühl, dass der Plot wesentlich mehr hergegeben hätte. Auch, wenn ich nämlich nicht auf Agenten- bzw Spion-Geschichten stehe, währe ein Planet wie Cardassia ausgezeichnet dazu geeignet gewesen eine solche an seinen Ecken und Kanten hochzuziehen. Auch die Figur des Elim Garak (einem Meister der Täuschung und Subversion) hätte weit mehr Potenzial gehabt.

Fazit

Natürlich schreibt auch der zweite Teil der „The Fall“-Reihe den Hauptplot weiter. Aber selbst hier hat man das Gefühl, dass die Geschwindigkeit deutlich zu niedrig angesetzt war. Das „Herumeiern“ in langweiligen, unwichtigen Situationen kommt einfach zu häufig vor. Und eigentlich werden noch nicht einmal die aus den größeren Star Trek Geschichten bekannten Figuren (zB Picard) weiterentwickelt. Ganz im Gegenteil sind selbst größere Beförderungen wie die von Garak ungenutzt geblieben, was die Charakterentwicklung angeht.

Trotzdem. Wer den ersten Teil gelesen hat, der kommt an diesem hier nicht vorbei, wenn er den spannenden Haupt-Plot weiter verfolgen will. Und trotz seiner Schwächen zählt der Roman nicht zum schlechtesten, was Star Trek zu bieten hat.


Das Buch

ISBN 978-3864257797
Preis (D) 12.99 | (A) 13.40
Link zum Buch auf der Website des Verlags

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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