Film & Serie

Star Trek: Beyond – Wo geht’s hier nach Star Trek?

Der neueste Star-Trek-Film ist in den Kinos. Seht ihn Euch an! Ich hab's getan und möchte das Folgende dazu loswerden...

Das Vorfeld sind nur zwei Filme

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[1] Das Logo des Reboots

Es ist nicht leicht in allzu große Fußstapfen zu treten. Die Macher der neuen Star-Trek-Filme, unter ihnen Star-Regisseur J J Abrams, können ein Liedchen davon singen. Schließlich sind es jetzt 50 Jahre Geschichte, die auf den Schultern all jener lasten, die neue Projekte im Franchise realisieren wollen.

Zwei Filme waren unter der Leitung des Lens-Flare-Enthusiasten Abrams schon entstanden. Die Kritiken waren durchwachsen – auch wenn das Lob die Schauspieler betreffend stets vorhanden war. Schließlich hat im zweiten Teil niemand geringerer als der aktuelle Sherlock vom Dienst, Benedict Cumberbatch, den Helden gegenüber gestanden. Und obwohl der Film sicherlich viel war – besonders Star-Trek-mäßig war er nicht.

Auch der erste Teil, der dem Franchise erstmal neues Leben einhauchen durfte, war das nicht. ABER: Man hatte schließlich den Auftrag die Serie aus der Mottenkiste der (epischen) Geschichte zu holen. Die Wiederbelebung von „Star Wars“, welches man nach der zweiten Trilogie beinahe aufgegeben hätte, hat schließlich das Ihre dazu beigetragen, dass plötzlich wieder Raum dafür war. So wie „Star Wars“ schon einmal den Weg zurück für Captain Kirk geebnet hatte.* Was ist jetzt aber mit dem neuesten Film? Ist er wieder dort, wo Star Trek hingehört? Jein.

*) Hier habe ich Mist gebaut. Ich lasse den Text allerdings stehen – soll mir ja keiner vorwerfen können, ich würde versuchen meine sich schleichend ausbreitende geistige Umnachtung zu verschleiern. Vielen Dank dem aufmerksamen Leser Stephan W., der mich darauf hingewiesen hat! 😛

Massenkino

Man kann es gar nicht oft genug erwähnen: Als Star Trek das erste Mal auf Sendung gehen sollte, hatte der Sender Schiss davor. Warum? Die Serie galt als „zu intellektuell“ – man traute dem Fernsehpublikum eine Philosophie-Sendung mit Raumschiffen einfach nicht zu. Das im Vergleich auffällig profane „Star Wars“ hatte hingegen keine Probleme (jedenfalls nicht mit einem solchen ‚Vorwurf‘).

Nachdem es in die Kinos gekommen war entschied man sich schließlich auch „Star Trek“ seine Chance in den Lichtspieltheatern der späten 1970er zu lassen. Und so kam „Star Trek: The Motion Picture“ als erstes Leinwandabenteuer von vielen zu Stande. Weit weniger erfolgreich. Aber immerhin. Die restlichen Filme waren vieles – aber nicht massentauglich. Schließlich war „Star Trek“, wiewohl in der Zwischenzeit ein wenig verwässert, noch immer  zuviel Philosophie und zu wenig Action. Und das, obwohl man zwischenzeitig das Budget für Kämpfe und Monster durchaus zu nutzen wusste. Eine durchwachsene Kino-Bilanz.

Nach Kirk kam Picard – und mit ihm wurden die Kinofilme auch nicht breitenwirksamer. Als beste und erfolgreichste SciFi-Serie aller Zeiten wurde sein „Star Trek: The Next Generation“ bezeichnet. Im Kino … nunja. Eher nicht. Und das, obwohl die Filme durchaus ihre Qualitäten hatten. Was also musste passieren um aus dem angestaubten Franchise wieder eine Cashcow zu machen? Und das war sicherlich das Ziel. Denn Paramount ist nicht unbedingt dafür bekannt eine Chance auszulassen, wenn es ums Geldverdienen geht. Wer daran zweifelt, der muss sich nur einmal die merkwürdig aus der Zeit gefallenen, despotischen Vorgaben ansehen, die der Konzern allen Fan-Film-Produzenten machte.

Zurück zu „Star Trek: Beyond“. Wie war der Film? Nun … rasanter. Action-lastiger. Der Regisseur kam von „Fast & Furious“ – und brachte einiges an Geschwindigkeit mit. Und zwar so:

Star Trek: Beyond

Ein Notfall zwingt die inzwischen von Selbstzweifeln geplagte Crew der USS Enterprise in einen unerforschten Nebel. Dort gestrandet bekämpfen sie einen übermächtigen Gegner, dessen Skrupellosigkeit selbst Khan (den allseits beliebten Gegner in gleich zwei ST-Filmen und Folgen der Originalserie) in den Schatten stellt. Es ist klar, dass dieser Mission sich ganz anders gestaltet als es die leidgeprüfte Mannschaft unter dem Kommando von Cpt James T Kirk gewohnt ist. Hass und Rachsucht spielen eine Rolle – genauso wie Gier und Technologien, die selbst der Föderation so noch nie untergekommen waren.

Wie sich gegen einen solchen Feind schützen? Genau. Gar nicht – weil das unmöglich ist. Und das ist der Anfang des Abenteuers in „Star Trek: Beyond“.

Ein flinker Untergang

Man merkt dem Film an, dass er sein bestes gibt um beide große Kinogänger-Gruppen anzusprechen. Sowohl die Trekkies als auch die Fans des Actionkinos neuerer Prägung können mit dem Ergebnis dieser Bemühungen zufrieden sein. Wenngleich das Niveau noch eine recht niedrige Bühne darstellt, auf der die Philosophie ihren kurzen Gastauftritt absolviert, kann man nicht leugnen, dass sie zu sehen war: Was macht uns Menschen aus? Wer sind wir – und was wollen wir? Wie gehen wir mit dem Unbekannten um? Sicherlich das Thema unserer Zeit – auch, wenn die Wirklichkeit düstere Antworten zu diesem Thema vergibt. Gene Roddenberry, der Schöpfer von „Star Trek“ wollte stets eine positive Vision der Zukunft auf die Bildschirme bringen – und das ist mit „Star Trek: Beyond“ definitiv gelungen.

Zwar sehen wir so manche Explosion und traurige Schicksale. Die Botschaft ist aber eine, die seine Überzeugungen getroffen hätte. Und das finde ich schön.

Die Fehler

Natürlich gibt es jede Menge Fehler in diesem Film. Drei davon möchte ich nennen. 🙂

Fachliche Inkompetenz?

Die Stelle, an der es mir die Haare aufgestellt hatte, war jene, an der (milder Spoiler voraus!) der Deflektor des Schiffes zerstört wurde und der Captain trotzdem einen Warp-Sprung anordnete. Inmitten eines Kampfes. Eines KAMPFES, verdammt, mit vielen, vielen herumschwirrenden … Dingern.

Erkärung dafür...
[2]
[2]

Der Deflektor eines Raumschiffes (im Bild des runde, leuchtend-blaue Element) ist soetwas wie der Kuhfänger („Gleisräumer“) eines Zuges. Er räumt kleinen Weltraumstaub aus dem Weg. Um zu verstehen warum das unbedingt und unumstößlich notwendig ist, muss man Albert Einsteins Energie-Formel zu rate ziehen. Diese besagt bekanntlich:

E = mc²

oder

Energie = Masse * Lichtgeschwindigkeit * Lichtgeschwindigkeit

oder (sehr vereinfacht)

Je schneller ein Objekt fliegt, desto mehr Energie wäre beim Aufprall im Spiel

Und das bedeutet, dass ein großes Objekt, das mit ÜBERLICHTGESCHWINDIGKEIT (also etwas, dass nur funktioniert, weil wir eine andere Einstein-Entdeckung in Star Trek ‚austricksen‘) gegen einen Partikel fliegt unglaubliche Energien auf diesen überträgt. Ein kleines Körnchen, abgebröckelt von einem Asteroiden, kann auf diese Weise zur tödlichen Falle werden. Von gegnerischen Kleinraumschiffen wollen wir gar nicht erst sprechen.

Verdammt, Jim. Hätte das funktioniert – es hätte auf jeden Fall tödlich geendet.

Heulsuse Spock?

Ein weiteres „Problem“ war sicher die Darstellung von Spock. Nicht, dass Quinto als Schauspieler nicht wieder sensationell gemimt hätte. Es war viel mehr so, dass Spock in der neuen Trilogie ein wenig zu menschlich geraten ist. Tränen? Bei einem Vulkanier? Schon seine Beziehung zu Lt Uhura ist eine eigenartige Entscheidung gewesen. Schließlich ist das im Original nicht so – und passt auch nicht wirklich zur Figur des möglichst logisch agierenden ersten Offiziers der Enterprise.

Wenn man großzügig* ist, dann könnte man die geänderten Rahmenbedingungen dafür verantwortlich machen, die durch die Ereignisse des ersten Films geschaffen wurden. Trotzdem. Mir ist Spock zu wenig … überlegen. Geistig. Er wirkt in den neuen Filmen mehr wie ein erfahrenes 0815-Crewmitglied denn wie ein durch nichts aus der Ruhe zu bringender Vulkanier.

Ein verschämt-schwuler Sulu?

Und schließlich glaube ich, dass es ein Fehler war die Kuss-Szene zwischen Sulu und seinem Ehemann aus dem Film zu schneiden. Nicht, dass ich so sehr darauf gewartet hätte – aber sie erst zu drehen und dann doch einen Rückzieher zu machen passt nicht in den Geist von Star-Trek. Ich habe hier ein wenig ausführlicher dazu Stellung genommen. Jetzt, wo ich das „Endergebnis“ im Film gesehen habe muss ich sagen, dass es beinahe peinlich ist überhaupt Wind darum zu machen. Und es war feige es herauszuschneiden.

Fazit

Ja, „Star Trek: Beyond“ ist weit näher an dem, was „Star Trek“ überhaupt ausmacht. Ich freue mich also auf Teil 4 und hoffe, dass er noch näher an das Original heranrückt. Und dann ist da ja noch die Hoffnung, dass die inzwischen angekündigte neue „Star Trek“-Serie etwas taugt. Ich werde sie natürlich in jedem Fall sehen. Egal ob sie das tut – oder nicht. Suchti und so. 😉

Seht Euch den Film jedenfalls an! Ihr werdet es nicht bereuen. Egal, ob Ihr wegen der SciFi-Action oder wegen Kirk & Co hingeht.

Eine tolle Rezension / Kritik zum Inhalt findet Ihr übrigens bei der Filmfabrik auf YouTube oder in SciFiWatchman’s Blog.


Anmerkungen

Das Titelbild entstammt einem Poster zum Film und ist als solches Eigentum von Paramount und / oder Bad Robot.

[1] Das Bild entstammt dem ersten Film des Star-Trek-Reboots und ist als solches Eigentum von Paramount und / oder Bad Robot.

[2] Das Bild entstammt dem ersten Star-Trek-Film von 1979 und ist als solches Eigentum von Paramount.

*) Ja. Abrams wartet, in dieser Hinsicht, bestimmt auf meine Meinung und wird erleichtert darüber sein, dass ich auch großzügig sein kann. 😀

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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