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So bekommt man büchermuffelige Leseanfänger dazu Bücher zu lieben

Wir lieben Bücher. Die meisten von uns halten sie gerne in der Hand, manche sind inzwischen auf digitale Varianten umgestiegen. Eines haben wir aber gemeinsam: Wir lesen sie gerne. Aber wie können wir unseren Nachwuchs dafür begeistern?

Wenn „süchtig machen“ eine Gute Sache ist…

Gerade Kinder sind heikel, wenn es darum geht mit dem Lesen zu beginnen. Dabei gibt es aber eine Reihe wirklich toller Kinderbücher, die sich ausgezeichnet dafür eignen den Kleinen das Lesen näher zu bringen. Die richtige Wahl der Bücher ist also von enormer Bedeutung. Worauf kommt es dabei also an?

Aus meiner Erfahrung als zweifacher Vater und Buchhändler möchte ich einige praktisch erprobte Tipps zur Leseförderung geben, von denen ich persönlich überzeugt bin. Dass mein 7jähriger vom absoluten Lesemuffel zum überzeugten Bibliophilen (und Comic-Leser) wurde, werte ich gerne als Erfolg meiner Methode. Ich habe mich jedenfalls daran gehalten. Vor einigen Wochen hat er (in der 2. Klasse Grundschule) den Hobbit fertig gelesen. Weil er wollte, nicht weil ich ihm diesen aufgedrängt habe. 😀

Falls Ihr im Augenblick den Bildschirm nicht sehen könnt, liegt das an der stolz-geschwellten Vaterbrust. 😛

Also … hier ein paar Anhaltspunkte, wie Ihr Eure Chancen erhöht Bücherwürmer heranzuzüchten…

Besser vor Ort als Online

Oft kann eine liebevoll eingerichtete Kinderbuchabteilung oder eine engagierte Bibliothekarin ein wertvoller Verbündeter sein. Online Bücher zu bestellen animiert Kinder – meiner persönlichen Erfahrung nach – nicht dazu sich mit selbigen auseinander zu setzen. Nicht falsch verstehen: viele Kinder lieben es, sich an den Computer zu setzen und dort solange herumzuklicken, bis irgendwann der Postbote vor der Tür steht. Das Lesen der Bücher ist dann aber meistens nebensächlich.

In der Bibliothek oder Buchhandlung sieht das anders aus. Dort können die Bücher aufgeschlagen werden – und das macht einen großen Unterschied. Außerdem kann ein Buch dort meist sofort mitgenommen werden – das verbindet das Kauferlebnis mit dem eigentlich wichtigen, dem Lesen an sich. In der Tram oder im Bus findet dann die eigentliche Buch-Bindung statt. Also: Raus auf die Straße, ab in die Läden und den Kindern das frische Buch in die Hand gedrückt!

Ach … wer jetzt glaubt, dass dieser Vorschlag von einem Buchhändler zu erwarten war, dem möchte ich noch folgendes mit auf den Weg geben: Ich bestelle selbst gerne online. Ich würde auch Bücher gerne online bestellen. Macht aber keinen Sinn. Und außerdem ist online beim kleinen Buchhändler zu bestellen in diesem Fall auch keine Alternative – es geht ja nicht um die böse Konkurrenz aus dem Netz, sondern darum die Verbindung der Kinder mit dem (physischen) Medium Buch herzustellen.

Lieber das Buch in der  Hand als das eBook am Tablet

Auch hier gilt: Ich kann die Unkenrufe hören. Aber ich bin selbst eBook-Leser. Nebenbei, allerdings. Ich lese etwa 2 bis 3 Bücher pro Monat via eBook.

Trotzdem empfehle ich es nicht, Kindern entsprechende Reader als Ersatz für Print-Bücher in die Hand zu drücken. Bei den meisten Geräten fehlt entweder die Farbe (die für manche Kinder wichtig ist), oder es handelt sich um ein von hinten beleuchtetes Display (also ein Tablet). Letzteres macht das Lesen oft schwieriger, da die Glasoberflächen spiegeln und die Augen vom Bildschirm angestrengt werden.

Wenn es unbedingt ein eBook sein muss, dann bitte eher zum Reader als zu Tablet greifen.

Das Cover

Natürlich kauft absolut und überhaupt niemand ein Buch nach dem Cover. Niemals. Außer vielleicht ein Kind. Denn die Wahrheit ist, dass Kinder Bücher (bei Erwachsenen kommt das natürlich nie vor!) zunächst nach dem Cover wählen. Schon den Klappentext zu lesen kann für sie eine Menge Aufwand bedeuten – also machen sie das oft gar nicht erst. Die Illustrationen auf dem Buchdeckel spielen also eine Rolle, die man nicht unterschätzen sollte. Es macht auch (zumindest bei Anfängern) keinen Sinn ihnen das ausreden zu wollen. Besser ist es deshalb zumeist eine Vorauswahl zu treffen und die Kinder mit einer geringeren Anzahl an Büchern zu konfrontieren.

Das klappt natürlich nicht immer. Es ist aber einen Versuch wert.

Der Umfang

Die Dicke eines Buches macht einen Unterschied – allerdings sind (besonders hier) nicht alle Kinder gleich. Die einen wollen keine dicken Bücher, da sie das Gefühl haben niemals damit fertig zu werden; die anderen bevorzugen umfangreiche Wälzer, weil sie damit das Gefühl bekommen richtig etwas zu ’schaffen‘. Hat man aber erst einmal heraußen, was die Kinder lieber lesen, ändert sich dieses Verhalten (zumindest scheint mir das so) nicht mehr so schnell.

Kinder zu früh dazu treiben zu wollen Bücher mit vielen Seiten zu lesen kann ganz schön ins Auge gehen. Viele fühlen sich schnell überfordert und geben dann auf; das Lesen wird für sie zur negativ belegten Riesen-Sache. Besser viele dünne als gar keine dicke Bücher, sollte die Devise sein!

Das Schriftbild und die Illustrationen

Besonders bei lese-schwachen Kindern kann es sich auszahlen Bücher mit großen Buchstaben zu lesen. Diese sind nämlich schnell gelesen und geben den Kindern das angenehme Gefühl eine Aufgabe (wie etwa ein „dickes“ Buch) bewältigt zu haben. Dieser Effekt, der oft mit einem gewissen Stolz  einhergeht, kann als Katalysator dienen, dem Kind das Lesen anderer Texte schmackhaft zu machen.

Auch Illustrationen spielen eine große Rolle. Sie sollten den Kindern unbedingt zusagen. Den Kindern. Ich habe oft erlebt, dass man Kindern Bücher, die sie sich aussuchten, wegen der angeblich ‚hässlichen Zeichnungen‘ wieder abgenommen hat. Schlimmer geht’s nicht. Kinder haben oft ihren eigenen Geschmack – und der unterscheidet sich oft von jenem der eigenen Eltern (und Großeltern!).

Das Thema

Es gibt viele tolle Buchreihen, die speziell für Lese-Anfänger produziert werden. Diese sind oft ausgezeichnet auf das abgestimmt, was ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt lesen können sollte. Doch bei aller Begeisterung darüber, dass der Wortschatz angepasst, das Schriftbild perfekt und die Illustrationen toll sind, sollte man nicht vergessen, dass die aneinandergereihten Buchstaben noch immer eine Geschichte ergeben. Und die sollte dem Kind auch gefallen.

Wenn das Lesen damit verbunden wird, dass man ’sich die ganze Mühe macht‘ (nicht vergessen: Für Kinder ist das Lesen anstrengend!), dann hat es einen negativen Beigeschmack. Diesen gilt es zu vermeiden. Der Buchhändler vor Ort hat meist eine ganz gute Idee davon, was die Kinder im unmittelbaren Umkreis (also auch in den umliegenden Schulen) im Augenblick am Liebsten lesen.

Anmerkungen

Das Titelbild stammt von Pexels.com und der Public Domain.

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

7 Comments

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Dein Senf:

  • Hi,

    ein toller Beitrag, vor allem weil ich auch 2 Kinder habe.

    Mein Sohn (jetzt 11) war bis 8-9 Jahre auch ein Lesemuffel, bis er Gregs Tagebuch entdeckt hat.
    Und heute hat er mich schon eingeholt bei einigen Buchreihen. Er hat schon alle Percy Jackson Teile gelesen (ich müsste mal mit den 4. weiter machen) und bei Skullduggery ist er bereits bei den 6. Band (ich hab nur den ersten gelesen). Wobei er sehr gern auf meine alten E-Reader liest. Er liest meistens Abends im Bett und da ist ein E-Reader einfach handlicher.

    Bei meiner Tochter (8) hingegen ist es wichtig, das die Seiten wenn möglich rosa sind und das Cover glitzert. Aber auch dann ist sie noch nicht so richtig zu begeistern. Oder wir haben eben noch nicht das richtige gefunden für sie.

    LG
    die Yvi

    • Freut mich sehr, wenn der Artikel ankommt, danke!

      Der eReader hat auch durchaus seinen Reiz. Besonders, wenn die Kinder schon gerne lesen kann er eine sensationelle Bereicherung sein.Mir ging’s hier eher um diejenigen, die mit dem Lesen erst anfangen.

      Manche Kinder kann man ganz gut über ihre Hobbies ködern. Der Satz klingt creepy – aber Du weißt, was ich meine. 😀

      Ich habe schon erlebt, dass Comics und Bücher zu Computerspielen das Ruder herum gerissen haben. Wichtig ist, dass sie einen Bezug zum Thema haben – und das Gefühl einen Mehrwert zu bekommen, für den Aufwand. Bei Computerspielen also zB etwas über die Hintergründe erfahren. In Sachen Rosa ist das oft schwierig – aber vielleicht helfen Bücher mit Tieren in den Hauptrollen (Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch zB)? Ist aber natürlich nur ein Schuss ins Blaue…

      Darüber hinaus gibt es einiges in Rosa, dass gar nicht so schlecht ist. 😉

      • Also Drei Freundinnen im Wunderland 01: Das magische Kästchen haben wir schon zusammen geschafft, schön rosa, selbst die Seiten und Glitzer.

        Beim Zweiten Teil stecken wir nun fest. …. mh. Zwischendurch haben wir es mal mit FoxCraft probiert und mit Alisik. Aber an beiden sind wir dann gescheitert. (also ich nicht, aber sie)

        Ich werde mir mal Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch anschauen, nehme gern Tips entgegen.

  • Hach… das sind wirklich tolle Tipps, aber wenn das mal immer so einfach wäre.
    Ich bin unlängst zu der Einsicht gelangt, dass sich manche Kinder nicht oder nur sehr, sehr schwer zum lesen verleiten lassen.
    Das liegt vermutlich auch daran, dass sich die Interessen verschieben.
    Meine Kinder haben immer gerne gelesen, ob Die Kinder von der Krachmacherstraße, Jim Knopf, Das magische Baumhaus oder Greg. Für die Mädchenseele kamen noch Hühner, Prinzessinen etc. dazu. Ab der weiterführenden Schule war Schluss damit, im Grunde schlich es sich schon im 4ten Schuljahr aus. Tja, da ist guter Rat teuer, aber ganz ehrlich? Ich hab es aufgegeben und hoffe, dass die Leseleidenschaft von selber wiederkommt 🙂
    Wenn sie sich ein Buch kaufen dürfen, dann machen sie das zwar gerne, nur lesen sie es dann nicht, es verstaubt irgendwo :-/ Daher herrscht jetzt erstmal „Buchkaufverbot“. Ist ja nicht so, dass ich nicht auch Jugendbücher lesen würde. Dann müssen sie da schauen 😉
    LG
    Tanja

    • Ich habe als Jugendlicher auch nichts gelesen. Gar nichts mehr. Irgendwann dann, mit 16-17 habe ich wieder angefangen. Lustiger Weise mit dem „Seewolf“, einem Buch, das so überhaupt nicht in mein Beuteschema passt, dass es weh tut.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder eine Phase durchmachen, in der das Lesen erstmal in den Hintergrund tritt. Vor allem bei Jungs kommt das häufig vor. Aber viele kehren zurück. Es gibt also Anlass zur Hoffnung. 🙂

      Ich drücke Dir die Daumen, dass das passiert bevor Jugendbücher unaktuell werden (also vor der Phase, in der man erwachsen genug ist das wieder zu lesen…). 😀

      • Ach, na das gibt mir wirklich Hoffnung 🙂

        Um die späteren Buchvorlieben mache ich mir wenig Gedanken. Ich lese auch High-/UrbanFantasy vieler Richtungen, Liebesromane, Krimis, Thriller, Sachbücher, Comedy und auch Klassiker. Da ich eine halbe Bücherei besitze, sollte da etwas zu finden sein 😉

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