Buch

Sanctuary: Mir doch egal?

Manche Bücher sind wirklich gut geschrieben. Und mir trotzdem egal. Nicht immer ist das verständlich - wie bei "Sanctuary: Letzte Zuflucht".

Flieht – Ihr Narren!

sanctuaryEs ist nicht so, dass es nicht spannend wäre, wenn plötzlich irgendwo in Afrika eine undurchdringliche Wand auftaucht. Eine Wand, so schwarz wie nur völlig lichtleerer Raum sein kann. Eine Wand, so endgültig wie die dünne Membran zwischen Leben und Tod.

Es ist auch nicht so, dass es nicht spannend wäre, wenn plötzlich weltweit die Hölle losbricht. Natürlich wegen der Wand. Wenn eine große Zahl intelligenter oder heldenhafter Charaktere sich gegen das Schicksal stemmt und damit dem Buch einen Sinn gibt, das sie bevölkern. Jeder von ihnen, egal in welcher Funktion oder Ausprägung, trägt seinen Teil dazu bei dem Chaos wieder ein wenig Struktur zu verpassen.

Und doch waren mir die meisten davon egal.

Unterwegs

Während die Wand sich nämlich beginnt auszubreiten, wächst und wächst, erleben wir die Flucht mehrerer Menschen aus den gewohnten Gefilden. Mitten im Meer, an einer sonst so leeren Stelle, taucht ein Kontinent auf – und die einen wie die anderen kapieren schnell, dass es nur wenig Wahrscheinlich ist, dass dieser nichts mit den Ereignissen zu tun hat. Wie sie sich dann aber vor den Horden durchdrehender, religiöser Irrer schützen – oder vor den eigenen Militärs – das ist Teil des Plots, durch den uns Andreas Kammel gekonnt führt.

Wenn also dermaßen viel passiert – wieso reißt das Buch nicht einfach jeden mit?

Die Antwort ist schwer. Und vielleicht kenne ich sie überhaupt nicht. Ich fand das Buch jedenfalls handwerklich einwandfrei umgesetzt und zweifellos gut durchdacht. Die Auflösung war sicherlich nicht so, wie sich das viele gedacht hätten – und das ist gut und schlecht gleichermaßen. je nach Geschmack. Gut … ich weiß nicht, warum es mich nicht begeistern konnte. Aber ich gebe dem Autor sicher keine Schuld. Vielleicht habe ich nur einfach zu viele Endzeit-Romane gelesen, um noch leicht zu überraschen zu sein. Vielleicht war es auch einfach so, dass mir die imaginäre Kamera quasi zu wenig auf den sozialen Strukturen lagen (wiewohl das natürlich auch ein Thema war, Stichwort: Religiöse Irre). Vielleicht war es auch einfach so, dass ich das eine oder andere Element schon viel zu oft gelesen habe.

Fazit

Ich empfehle das Buch dennoch weiter. Immerhin kann ich erkennen, dass es gut ist. Wenn auch nicht gut für mich, so bestimmt für jede Menge andere Weltuntergangsbegeisterte, die gerne einmal eine Alternative zu den vielen Zombie-Apokalypsen der letzten Zeit suchen.


Anmerkungen

Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt des Buchcovers. Dieses ist Eigentum des Knaur-Verlags.

Das Buch

ISBN 978-3-42651524-2
Preis (D) 14.99 | (A) 15.50
Link zum Buch auf der Website des Verlags

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

2 Comments

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Dein Senf:

  • Endlich mal noch jemand der das Buch gelesen hat 😀

    Ich fand die Grundidee super und war von der ersten Hälfte auch ziemlich angetan, weil mir die Mischung aus Katastrophen-Road-Trip und Politthriller gut gefallen hat.

    Mir sind aber einfach zu viele wichtige Sachen im Hintergrund passiert und ich hatte oft das Gefühl dass die Gewichtung nicht ganz stimmte. Da werden dann z.B. Ereignisse mit extremer Auswirkung auf wenigen Seiten abgetan, andererseits bekommen dann aber private Geplänkel ganze Kapitel eingeräumt.

    Zudem hätte ich mir für viele Sachverhalte einfach noch genauere Erklärungen gewünscht und mir war das Buch trotz der 800 Seiten fast noch zu kurz, gerade was einzelne physikalische Dinge betrifft.

    Ich weiß aber aus Kreisen des Autors dass es theoretisch noch Material für eine oder mehrere Fortsetzungen geben würde, aber da hängt es wohl ein wenig vom Verkaufserfolg ab ob das noch realisiert wird. Gemessen an den wenigen Meinungen die ich bisher zum Buch gesehen habe bin ich da aber nicht ganz so optimistisch, ich glaube dass der Umfang schon einige Leser abschreckt…

    • Aye – der Umfang ist auf jeden Falle in Problem. Jetzt, wo Du es geschrieben hast, denke ich auch, dass es vielleicht die Gewichtung war.

      Vielleicht sind mir die Geplänkel auf die Nerven gegangen. Oder eben die Tatsache, dass man manchmal vom eigentlichen Brandherd zu weit weg war.

      Wenn ich der Autor wäre, ich würde mich vielleicht nicht unbedingt auf eine Fortsetzung stürzen. Das Material ist, glaube ich, verbrannt. Wegen der Fortsetzung würde nämlich niemand (der es bis jetzt noch nicht getan hat) ein 800-Seiten-Buch lesen.

      Kreativ ist er jedenfalls, und mit ein wenig Übung findet er bestimmt auch die richtige Balance. 😀

      Vielleicht sollte man ihn im Auge behalten…

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