Buch

Nicht sterbenslangweilig: Gevatter Tod (Scheibenwelt #4)

Der Tod hat viele Gesichter. Bei uns. Auf der Scheibenwelt hat er nur eines - und das ist sympathischer als sein steifes Grinsen vermuten lässt...

Todmüde vom Job.

Am Ende kommen sie dann doch alle zu ihm. Und Gevatter Tod hat davon wirklich genug. Schließlich kommt er kaum je dazu die sterblichen wirklich zu beobachten. Dazu müsste er schließlich mehr Zeit mit ihnen verbringen können als immer nur die „letzten Augenblicke“. Und außerdem sind diese tendenziell wenig erfreulich.

Nicht, dass TOD Gefühle hätte. Aber irgendwie entwickelt er trotzdem eine gewisse Affinität zu den Sterblichen deren Seelen er oftmals sogar persönlich ins Jenseits befördert. Richtig gelesen! Er kümmert sich oftmals sogar persönlich um seine Kundschaft. Denn eigentlich ist das nicht selbstverständlich. Nur Zauberer haben ein Anrecht darauf vom Sensenmann höchstselbst ins Jenseits geleitet zu werden. Und Könige, vielleicht.

Sei es wie es sei – die viele Arbeit und das fehlende Vergnügen mögen andere Charaktere völlig durchdrehen lassen. Für TOD sind sie jedenfalls nur der Anlass sich erstmal einen Lehrling zu nehmen. Denn schließlich ist das der erste Schritt zu mehr Freizeit. Gesagt – getan. Nur zu dumm, dass TOD sich vor allem durch  eine Eigenschaft besonders gut für diesen Job qualifiziert: Er ist leidenschaftlich emotionslos. Das kann man über seinen Lehrling nicht gerade behaupten. Und so dauert es auch nicht lange, ehe die Katastrophe perfekt ist und das Gefüge der Realität völlig aus den Fugen gerät. Denn was laut TODs Aufzeichnungen tot sein sollte, dass tut gut daran es … nunja … auch zu sein. Schließlich hat die Realität ja wohl kaum ausreichend Zeit sich um alle zu kümmern, die sie beeinflussen wollen.

Tja. Und damit wären wir auch schon beim Kern des Dilemmas: Während TOD sich eine wohlverdiente Auszeit nimmt versinkt ein kleines Königreich, dessen soeben verschiedene Prinzessin sich durch einen eklatanten Mangel an Verstorbenheit auszeichnet, im Chaos. Und mit ihr auch gleich der Rest der Welt. Oh! Und … soviel sei verraten: TOD hat sogar eine Tochter. Na wenn ihn das nicht noch interessanter macht.

TOD

Er war eigentlich schon immer mein heimlicher Favorit: TOD, die stets um das Wohl der Menschen besorgte, und doch augenscheinlich völlig teilnahmslose, antropomorphe Personifizierung des Lebensendes. Sein trockener Humor ist die Krönung Pratchett’scher Charaktergestaltung. Zumindest für mich.

In diesem Band erfahren wir gleich eine ganze Menge über ihn und sein Privatleben. Wir erfahren wo er lebt, mit wem er lebt – und wie er seine spärliche Freizeit gestaltet. Dabei lässt er niemals jene skurrile Note vermissen, die ihn so besonders auszeichnet. Der Nimbus seines Wesens ist einzigartig, wie ich finde, seine nüchterne Art und sein fatalistischer Zugang zu Allem macht ihn zum perfekten Ende allen Lebens auf Groß-Atuins Rücken.

Der vierte Teil der Reihe gehört zu den Stärksten, finde ich. Vor Allem, weil nun endlich jene Phase in der Scheibenwelt-Reihe beginnt, in der die einzelnen Figuren, die Scheibenwelt und – ja! – eben selbst der Tod kaum mehr sind als Wege die Welt so zu begreifen, wie Pratchett das tat. Seine Erzählung von einer Entität auf Selbstfindungstripp, von einem Anfänger in viel zu großen Schuhen, von Entscheidungen aus Leidenschaft; diese Erzählung degradiert epische Fantasy zur Bühne und den Witz zur Mitfahrgelegenheit.

Anmerkung zu den Buchdaten

Ich habe kürzlich gelesen, dass u.U. bereits das Verlinken zum Verlag (etc) dazu führen kann, dass es sich bei einem Blog-Beitrag als um Werbung handelt. Das will ich prüfen, bevor ich die Daten hier anbringe. Wer das Buch sucht, findet es jedenfalls unter seinem Titel. 😉

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

2 Comments

Click here to post a comment

Dein Senf:

WordPress spam blockiert CleanTalk.
  • Ich habe ja immer noch kein Buch aus der Scheibenwelt-Reihe gelesen. Du sagst, dass dies das stärkste sei. Kann ich das denn „einfach so“ lesen oder sollte ich zuerst andere Bände lesen? Irgendetwas in mir verweigert sich da immer noch, frag nicht was und warum. 😀

    Ach, teilst du dann dein Wissen was die Werbung-Kennzeichnung angeht? 🙂 Ich verlinke immer den Verlag, andere Eckdaten spar ich mir. Das kann ja jeder rausfinden, wenn man auf den Verlagslink klickt oder einfach Google fragt. 😀

    • Jedenfalls gehört es zu denen, die mir am Besten gefallen. Aber ich würde durchaus mit Teil 1 beginnen. So erfährt man am Meisten über die Scheibenwelt.

      Manchmal hat man auf eine Reihe einfach keine Lust, obwohl sie nüchtern toll klingt. Ging mir übrigens bei der Scheibenwelt auch so. Bei mir lag‘s daran, dass ich nicht gern humorvolles Lese. Pratchett und Kling sind meine Ausnahmen.

      Aye, mache ich. Allerdings weiß ich noch nicht, wann ich dazu komme.

Follow Me

Hallo, zusammen!

So viele Bücher - so wenig Zeit. Geht es Euch auch so? Prima. Dann leiden wir hier gemeinsam. Ich unter der Qual der Wahl und Ihr unter meinem grauenvollen Schreibstil. ;)

Hier findest Du alles, was ich bisher (an Büchern) rezensiert habe: Mein Rezensionsindex

WERBUNG

Werbung

%d Bloggern gefällt das: