Buch

Literatur lesen: Ein teurer Ausflug in die Literaturkritik

Terry Eagleton ist ein bekannter Literaturkritiker. Nicht nur - aber auch. Und was er uns Laien über Literatur sagen möchte, können wir jetzt in "Literatur lesen" lesen. Oder so. :)

Offenheit und Trollwiesen

literaturlesenManchmal ist ein grüner Vorhang einfach nur ein grüner Vorhang. Nicht, dass in der Literatur jemals etwas „einfach nur“ geschrieben wurde. Geschichten sind immer ein offenes Feld, auf dem sich Deutungen trollen können so heftig sie wollen.

Terry Eagleton ist ein Meister seines Fachs – zweifelsohne. In „Literatur lesen“ führt er uns in die Welt professioneller Prosa- und Lyrik-Exegese ein wie er sie versteht. Er zeigt immer wieder Beispiele auf, wie weit sich eine Lesart vom Original entfernen darf ohne dabei vollends den Kontakt zu verlieren. Genau das ist nämlich seine Grundthese: Dass Literatur nichts weiter ist als etwas, das jeder für sich lesen und verstehen muss. In wie weit sich unsere anschließenden Erkenntnisse überhaupt noch decken ist (zumindest ihm) dabei völlig egal.

Aller Anfang

Man merkt dem Buch an, dass es für Einsteiger geschrieben ist. Virtuos komponiert Eagleton eine Anleitung für uns Laien und erklärt uns, warum Sätze wie dieser von mir eben geschriebene übertrieben sind. Manchmal hängt er sich dabei an einzelnen Wörtern auf, in denen er einen Beleg für die Unfähigkeit des Autors sieht angemessen zu formulieren. Vermutlich wären ihm, hätte ER den vorletzten Satz gelesen, die Tränen in die Augen gestiegen. Das eine Mal möchte man ihm zustimmen – das andere Mal möchte man ihm auf die Schulter klopfen um ihm zu versichern, dass „alles wieder gut“ werden würde.

Fakt bleibt jedoch, dass „Literatur lesen“ tatsächlich eine gelungene Mischung ist. Denn trotz all der Situationen, in denen man Eagletons Leben im Elfenbeinturm zu erahnen meint, inspiriert er immer wieder dazu sich ihm anzuschließen. Ich liebe seine Liebe zur Literatur; seine Hingabe an einzelne Textzeilen und Worte. Und bisweilen sogar seinen Humor, obwohl der hie und da aufgesetzt und berechenbar wirkt. Er versteht sein Handwerk – und vermag andere dafür zu begeistern. Und das macht letztlich ein gutes (Sach-) Buch aus: Wenn man sich selbst dann ernstlich und begeistert damit auseinandersetzt, obwohl man nicht der gleichen Meinung ist wie der Autor.

Fazit

In diesem Sinne empfehle ich allen, die sich mit mehr als Jugendromanen und Hau-drauf-Fantasy (ok, ok – oder natürlich Tschinn-Bumm-Krach-SciFi) herumschlagen, es einmal zu lesen.

Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass der eine oder die andere lieber darauf wartet, bis die örtliche Bibliothek das Werk gekauft hat. Denn in Sachen Preis steckt hier mehr Übertreibung als in Eagletons gelegentlich an die Oberfläche gespülter Arroganz gegenüber den Werken anderer. Obwohl … ich bin ihm ausgesprochen dankbar, dass er mich mit einem gewissen schottischen „Dichter“ des 19. Jahrhunderts bekannt gemacht hat. An den werde ich mich mein Leben lang erinnern, auch wenn ich vielleicht nie wieder etwas von ihm lesen werde. 😉


Das Buch

ISBN 978-3-15010967-0
Preis (D) € 24.95 | (A) € 25.70
Link zum Buch auf der Website des Verlags

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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