NerdHall

Isaac Asimov: Ein Mann gegen die Robo-Apokalypse

Warum man sich mit Isaac Asimov beschäftigen sollte? Der Mann sah in die Zukunft. Und sorgt vielleicht bald dafür, dass die Menschheit nicht von Robotern vernichtet wird.
Hinweis
Nerdhall ist meine kleine Serie über (Prä-) Nerds, die die Welt bewegen und bewegten.

Eine Übersicht findet Ihr hier.

Nerdhall: Isaac Asimov

Isaac Asimov war bestimmt einer der ersten Nerds. Seine Fähigkeit vorauszudenken, technische und oft sogar gesellschaftliche Entwicklungen vorwegzunehmen, beeindruckt seine Kenner in vielerlei Hinsicht mehr als die vielen fantastischen SciFi-Stories, die er in seinem Leben geschrieben hat. Oder die massive Hornbrille, die er stets trug. 😉

Was mich persönlich vielleicht am meisten beeindruckt ist aber sicherlich sein möglicher Einfluss auf unser zukünftiges Leben. Aber davon werde ich später mehr erzählen.

Kurzer Lebenslauf

In einer Zeit, in der Schreibmaschinen als High-Tech galten, wurde Isaac Asimov in der damals noch jungen Sowjetunion geboren. Niemand – noch nicht einmal seine Eltern – kennt oder kannte sein genaues Geburtsdatum. Um einen Tag zum Feiern zu haben, legte er es später auf den 2. Januar 1920 fest. Also knapp drei Jahre nach der russischen Revolution, die das 20. Jahrhundert (und bestimmt auch Asimovs Denken) entscheidend mitprägte. Bereits 1923 wanderte seine Familie allerdings aus und ließ sich in den USA nieder, wo Asimovs Vater einen Süßwarenladen eröffnete.

In den Staaten angekommen lernte der junge Asimov schnell das Lesen und die Bücher schätzen. Sein Leben als Kind eines Ladenbesitzers versorgte ihn zwar nicht gerade großzügig mit sozialen Kontakten. Dafür aber umso mehr mit Gelegenheiten in die vielen Magazine zu schnuppern, die sein Vater auslegte. Sein Erstkontakt mit der Science Fiction fand so über ein Magazin statt, das zu lesen ihm sein Vater nur gestattete, weil das Wort „Wissenschaft“ im Titel vorkam. Ein Glück, bedenkt man Asimovs spätere Bedeutung für das Genre und die Popularität der Wissenschaft.

Mit nur 19 Jahren schloss er sein Chemie-Studium als Bachelor Of Science ab. Aus verschiedenen Gründen (unter anderem, weil der zweite Weltkrieg ausgebrochen war) setzte er sein Studium erst einige Zeit später fort und schloss es schließlich 1948 mit einem Doktor-Titel ab. Ab 1951 unterrichtete er dann selbst an der Universität und gab seine Stelle dort erst auf, als er sich 1958 ganz der Schriftstellerei widmete.

In seinem literarischen Werk spielt die Chemie allerdings eine eher untergeordnete Rolle. In seinen Arbeiten widmete er beinahe seine gesamte Aufmerksamkeit dem (selbstverständlich noch beinahe jungfräulichen) Gebiet der künstlichen Intelligenz. Er befasste sich in unzähligen Kurzgeschichten und Romanen damit – noch lange bevor es Menschen für Möglich hielten, dass der Zugang zu Computern einmal eine Selbstverständlichkeit sein könnte. Dementsprechend unterscheidet sich also der von ihm angenommene Umgang mit diesen gehörig von unserer heutigen Realität. Auch die Konstruktion von Robotern, wie er sie sich ausmalte, klingt so manchmal befremdlich. In ihrer Essenz sind die Geschichten allerdings häufig wesentlich realistischer, als das für viele Werke der 1950er und 1960er gelten darf.

Nicht nur als Autor wurde er geschätzt. Carl Sagan (jemand, den ich an anderer Stelle auch gerne einmal beschreiben werde) zog ihn als Berater für jene Botschaft heran, die mit den Voyager-Raumsonden der NASA ins All geschossen wurden. Sollte also tatsächlich einmal eine außerirdische Zivilisation Kontakt mit dieser Sonde haben, so wird Isaac Asimov Anteil daran haben, welchen ersten Eindruck die Menschheit hinterlassen wird.

Asimov starb 1992 an HIV. Er hatte es sich durch eine Bluttransfusion zugezogen, die er in Folge einer Bypass-Operation erhielt.

Die Gesetze der Robotik

Asimov war Science-Fiction Autor mit Leib uns Seele. Als einer der Großmeister dieses Fachs wurde er für seinen Einfallsreichtum und seine klugen Überlegungen mehr als nur einmal ausgezeichnet. Er schrieb jedoch nicht nur fiktionale Werke, sondern auch jede Menge Sachbücher, die manchmal gar nichts mit seiner Leidenschaft für den Weltraum und die künstliche Intelligenz zu tun hatten. Stellvertretend für diese Bücher möchte ich nur die Biographie „Shakespears Welt“ erwähnen, die einen eher ungewöhnlichen Zugang zu jenem sprachlichen Genie bietet, das die englische Sprache bis heute so stark prägte.

Aus einer Notwendigkeit für seine Kurzgeschichten geboren wurden die legendären „Robotergesetze„. Sie waren nicht nur die Grundlage für viele seiner Geschichten, sondern stellen heute sogar grundsätzliche Überlegungen zum Thema dar, mit der sich moderne Wissenschafter auseinandersetzen müssen. Sie sind unverzichtbar geworden, wenn Ihr mich fragt. Sehen wir sie uns zunächst einmal an:

Robotergesetze

(1) Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.

(2) Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.

(3) Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

Warum unverzichtbar? Das beste Beispiel dafür ist ein selbstfahrendes Auto. Ersetzen wir zum Beispiel das Wort „Roboter“ im Text durch „Autopilot“. Ergibt das nicht plötzlich unglaublich viel Sinn?

Ein technischer Gegenstand (egal ob Roboter, selbstfahrendes Auto oder vollautomatische Industrieanlage), der eigene Entscheidungen fällen kann braucht Regeln dafür. Ein Grund dafür ist, dass computergesteuerte Geräte für diese Entscheidungen weit mehr Zeit zur Verfügung haben. Und das funktioniert so:

Fährt ein Mensch mit dem Wagen und steht plötzlich vor dem Problem, dass er entweder ein plötzlich auf der Straße aufgetauchtes Kind überfahren oder in einen reißenden Fluss lenken muss (was mit seinem sicheren Tod verbunden wäre), so wird die Zeit für Entscheidungen zu kurz sein. Das menschliche Gehirn benötigt schon allein eine Sekunde zur Orientierung („Schrecksekunde“). Für moralische Überlegungen läuft der Unfall also vermutlich zu schnell ab. Der Mensch wird sich also intuitiv entscheiden bzw zu langsam reagieren um die eine oder andere Katastrophe abzuwenden.

Ein computergesteuertes Fahrzeug hingegen hätte ausreichend Zeit. Keine Schrecksekunde. Keine langsamen Denkprozesse. Dieses Fahrzeug müsste sich also „bewusst“ entscheiden. Dazu kann es dann wohl die drei Gesetze folgendermaßen auslegen:

  1. Es darf das Kind nicht verletzen.
  2. Der Besitzer des Fahrzeugs kann nicht befehlen, dass in einem solchen Fall das Kind verletzt werden soll.
  3. Der Selbstschutz steht in diesem Fall nach.
  4. Ich fahre in den Fluss.

Probleme mit den Gesetzen?

Was Asimov darüber hinaus so interessant macht ist allerdings seine Beschäftigung mit den Problemen dieser Gesetze. Denn auch diese drei können hinterfragt werden. In seinen Romanen und Kurzgeschichten taucht immer wieder ein Robot-Psychologe auf, der die Interpretation der Regeln durch die einzelnen Maschinen hinterfragt. Was passiert eigentlich, wenn ein Robot in eine Situation kommt, in der er die Regeln nicht mehr auslegen kann? Oder wenn er plötzlich so weit entwickelt ist, dass er Emotionen entwickelt?

Klar … die meisten seiner Geschichten sind nicht gerade action-lastig. Es sind philosophische Hypothesen, verpackt in ein Netzwerk aus logisch aufgebauten Erzählungen. Aber wenn man das weiß (und die Bücher auch so liest), dann kann man jede Menge über uns und unsere Zukunft aus ihnen mitnehmen.

Übrigens: Ersetzt man den Begriff „Roboter“ in den Robotergesetzen durch das Wort „Mensch“, sind diese ein ganz passables Regelwerk für den Umgang miteinander. Auch, wenn es ein wenig ausdifferenziert werden müsste. 🙂

Wen diese Person inspirierte

Asimov inspirierte so viele Menschen, dass eine Auflistung unsinnig wäre. Zwei Namen sollten aber dennoch unbedingt erwähnt werden.

Gene Roddenberry

Der Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry zählte beispielsweise zu seinen Freunden. Die beiden profitierten nicht nur menschlich sondern vor allem auch im Hinblick auf ihre Arbeiten voneinander. Asimov prägte beispielsweise das Wort „Positronisch“ für das künstliche Gehirn – ein Wort, dass Roddenberry später für die Konstruktion seines fiktionalen Androiden „Data“ in „Star Trek: The Next Generation“ nutzte. Dabei war Asimov zu Beginn der Serie gar kein Fan. Sie war ihm wissenschaftlich zu ungenau. 😉

Elon Musk

Elon Musk, der bekannte südafrikanische Milliardär hinter „PayPal“, „Tesla“ und „SpaceX“, nannte Isaac Asimovs „Foundation Zyklus“ einmal als eine der besten Romanserien, die er je gelesen hat.

Was man von dieser Person unbedingt kennen sollte

Der schon erwähnte „Foundation-Zyklus“ ist eine der interessantesten SciFi-Welten, auf die ich bisher gestoßen bin. Ihr solltet den Büchern unbedingt eine Chance geben. Auch viele seiner Kurzgeschichten sind es unbedingt wert gelesen zu werden. „Ich, der Roboter“ (hier eine Rezension in meinem alten Blog) ist so eine Sammlung. Auch der Will-Smith-Film („I, Robot“) ist sehenswert, selbst wenn er eigentlich nur den Geist der Geschichten in sich trägt.

Und wo wir gerade bei Verfilmungen sind: „Der 200-Jahre-Mann“, ein Film mit Robin Williams, ist eine sensationelle Geschichte rund um einen Roboter, der plötzlich ganz eigene Fähigkeiten entwickelt und sogar die Freiheit geschenkt bekommt. Kann ich nur empfehlen (genau wie den zugehörigen Kurzgeschichten-Band natürlich)!


Rezensionen über Bücher dieser Person

Rezension: Der Zweihundertjährige
Rezension: Der Zweihundertjährige

Anmerkungen

Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus einem Gemälde von Rowena Morrill und steht unter der GNU GPL.

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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