Comic

Genosse Superman

Manche Ideen hören sich zunächst ausgesprochen grotesk an. Superman ein Russe? Kann das gelingen?

Ein halber Tag

genossesuperman 12 Stunden. Mehr ist da nicht.

Ein halber Tag macht den Unterschied zwischen dem strahlenden Helden Superman, der in den USA aufwuchs, und dem tüchtigen Genossen Superman, dessen Prinzipien auf den Ideen von Marx und Lenin fußen.

Mark Millars Idee eines Supermans, der sein zunächst beschauliches Leben in Smallville um Stunden verpasst hat, hat mich von Anfang an begeistert. Nicht zuletzt weil Superman ein „echter amerikanischer Held“ ist, dessen Werte und Ideale eigentlich alles andere als amerikanisch sind. Er schwenkt nicht ununterbrochen Flaggen, begeistert sich nicht für den Kapitalismus an und für sich, sondern tut, was er auch in „Genosse Superman“ tut: Er beschützt die Schwachen ohne die Reichen und Mächtigen zu behelligen.

Und doch anders

Genosse Superman wächst in einer Kolchose in der Ukraine auf, wo er die Werte der russischen Revolution kennen und lieben lernt. Im Bewusstsein, ein Besonderer unter Gleichwertigen zu sein, zögert er nach dem Tod Stalins die Macht im Staate zu übernehmen. Doch die Rahmenbedingungen setzen seinem Pflichtgefühl zu und so übernimmt er am Ende doch die Führung. Ausgestattet mit den Kräften eines Superhelden und der Macht eines Führers entsteht Utopia vor den Augen der ganzen Welt. Ohne Blut. Ohne Widerspruch. Nur die USA wehren sich gegen die Idee absoluten Friedens unter der Regentschaft eines Überwesens – und so greifen sie auf die widerlichsten Methoden zurück um den (zugegeben: vermeintlichen) Heilsbringer aus dem Verkehr zu ziehen. Lex Luthors zahllose Pervertierungen edler Ideale (in Form von Monstern aller Couleur) vorneweg.

Viel Licht – viel Schatten

Doch wo viel Licht ist, da ist bekanntlich auch viel Schatten. In diesem Fall ist der größte Kritikpunkt mit Sicherheit die unwürdige Kürze des Projekts. Drei Ausgaben (im Original) sind einfach nicht genug um sich eines solch komplexen Themas anzunehmen. Helden und Schurken kommen und gehen ohne wirklich Eindruck zu hinterlassen. Immer wieder werden spannende Szenen gezeigt, zwischen denen jede Menge Geschichte weggelassen wurde. Zu guter Letzt bleibt von dem Drama, das dieses Buch darstellt, nur soviel, wie man benötigt um sich vorstellen zu können wie die Geschichte abgelaufen wäre.

Zu erwähnen wäre übrigens noch die brillante grafische Umsetzung. Die letzten Seiten des Bandes sind deshalb auch völlig zurecht jenen Studien gewidmet, die den endgültigen Zeichnungen vorausgingen. Die kommentierten Skizzen sind stellenweise faszinierend.

Wer keine Berührungsängste mit Superhelden hat, der sollte diesen Comic lesen. Auch, wenn er seine Mängel hat, ist „Genosse Superman“ eine sensationelle Graphic Novel geworden.

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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