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Gene Roddenberry: Der großartige Vogel des Universums

"The Great Bird of the Galaxy", nannte man den Schöpfer von Star Trek. Er hat mehr bewegt als die meisten auch nur ahnen.
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Nerdhall ist meine kleine Serie über (Prä-) Nerds, die die Welt bewegen und bewegten.

Eine Übersicht findet Ihr hier.

[1] Gene Roddenberry

Nerdhall: Gene Roddenberry

Für mich ist Gene Roddenberry ein echtes Vorbild. Ich bin mit seinem Weltbild groß geworden und pflege es noch bis heute. „Star Trek“, von vielen heute verschmäht, ist mehr als nur eine Fernsehserie. Es ist eine Weltanschauung, die schwer unter der Borniertheit vor allem nationalistisch-konservative Kräfte gelitten hat. Es ist die Idee, dass wir alle eine Zukunft teilen – und dass wir keine Angst haben sollten für diese gemeinsame Zukunft zu kämpfen.

Als Schöpfer dieser Welt hatte Roddenberry sich mehr als genug für die Rechte vieler damals noch offen drangsalierter Minderheiten eingesetzt. Seine Fernsehserien-Crew allein bezeugt das:

  • Sulu: Trotz Pearl Harbour befand sich ein japanisch-stämmiges Crew-Mitglied an Bord
  • Chekov: Mitten im kalten Krieg durfte ein Russe an die Waffen der Enterprise
  • Uhura: Eine schwarze Frau als Brückenoffizier

…die Liste ließe sich erweitern. Dabei waren das nur die Siege, die er errungen hat – nicht die Kämpfe, die er focht. Dabei zeigte er sich oft ausgesprochen listig: Als man ihm nämlich einen weiblichen ersten Offizier verbot (weil kein Mann sich unter das Kommando einer Frau stellen sollte) setzte er Lieutenent Uhura auf die Brücke. Als Kommunikationsoffizier hatte sie zwar keine Untergebenen, besetzte aber einen gleichwertigen, wichtigen Posten als Führungspersonal auf der Brücke.

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Die ursprünglich für die Rolle des ersten Offiziers vorgesehene Schauspielerin Majel Barrett heiratete er übrigens 1969. Sie wurde die „Grande Dame“ von Star Trek und lieh den Computern der meisten Raumschiffe, bis zu ihrem Tod, ihre Stimme. In der Originalserie als Krankenschwester „Christine Chapel“ zu sehen brillierte sie erst so richtig in ihrer Rolle als Lwaxana Troy (Star Trek: The Next Generation – Mutter von Schiffscounselor Diana Troy).

Dass diese Figur später auch in der Bürgerrechtsbewegung ihre Rolle spielte (Martin Luther King persönlich überzeugte die Schauspielerin Nichelle Nichols davon diese Rolle nicht aufzugeben) und so wiederum Schauspieler wie Whoopie Goldberg zu ihrer Karriere inspirierte. Angeblich wäre die spätere Komödien-Ikone als Kind, nach einer Star Trek – Folge durchs Haus gelaufen und hätte alle darüber informiert, dass eine schwarze Frau im Fernsehen zu sehen sei, die kein Dienstmädchen spiele).

Auch Barack Obama bekannte sich zu Star Trek als Inspiration für seine Politik (Hier ein Foto eben mit Nichelle Nichols). Auch, wenn er einmal „Jedi Gedankenverschmelzung“ statt „Vulkanischer Gedankenverschmelzung“ sagte. 😀

Wie auch immer: Gene Roddenberry hatte bestimmt auch Fehler. Dass aber seine Wirkung auf die Weltgeschichte dermaßen unterschätzt wird ist eine Schande.

Ein Teil seiner Asche wurde im April 1997 im Weltraum bestattet.

Ein kurzer Lebenslauf

Eugene Roddenberry wurde 1921 in den US-Südstaaten, genauer: Texas, geboren. Nach seiner Ausbildung schloss er sich den US-Streitkräften an und flog, im zweiten Weltkrieg, fast 90 Einsätze. Nach dem Krieg verließ er die Air Force im Rang eines Captains und wechselte in die zivile Luftfahrt.

Dort, für PanAm tätig, wurde er, seiner Leistungen während der Bergung eines in der syrischen Wüste abgestürzten Flugzeuges, von der zivilen Luftfahrtbehörde ausgezeichnet. Trotzdem er sich also hervorragend als Pilot machte, wechselte er in den 1950ern (eigentlich ab 1949) schließlich gänzlich den Beruf und schloss sich der Polizei von Los Angeles an. Eine seiner Aufgaben bestand darin, die Reden für seinen Vorgesetzten zu verfassen.

Gleichzeitig begann er allerdings auch Drehbücher zu schreiben, die teils nur sehr mäßig erfolgreich waren. Seine Militär- und Polizeiarbeit lieferte oftmals den Stoff, aus dem er seine Geschichten schneiderte – und verhalf ihm schließlich indirekt dazu seine Serie „The Lieutenant“ 1963 an MGM zu verkaufen.

Erst Ende 1964 durfte er den Pilotfilm zu „Star Trek“ produzieren. Leider handelte es sich bei „The Cage“ um eine noch unausgereifte Version der Sendung, die beim Sender alles andere als gut ankam. Vor allem der intellektuelle Ansatz war dem Sender (neben den Kosten- und Produktionsfragen) nicht recht. Auch die Tatsache, dass das Konzept eindeutig politisch Links zu verorten war (in vielen Punkten spiegelte die Welt, die Roddenberry zeichnete, eine kommunistische Zukunft wieder) schadete seiner sofortigen Umsetzung.

Man entschied jedoch, noch einen weiteren Pilotfilm produzieren zu lassen. „The Man Trap“ war schließlich auch nicht der große Erfolg, aber gut genug um ganz drei Staffeln der Serie zu ermöglichen, ehe der politische Druck auf das Projekt zu groß wurde. Der Kuss zwischen Captain Kirk (ein weißer Mann) und Lieutenant Uhura (einer schwarzen Frau) besiegelte dann mehr oder weniger das Ende. Auch die bis dahin immer wieder erfolgreichen Briefpost-Aktionen der Fans an den Sender NBC halfen da nichts mehr.

Viele Wiederholungen folgten, da die Produktionsfirma ihre durch die Serie entstandenen Verluste mit Lizenzverkäufen an kleine Sender (und später an Werbefirmen, was zu einem Streit zwischen Paramount Pictures und Leonard Nimoy führte) zu kompensieren. Star Trek nahm Fahrt auf – und Roddenberry erhielt wieder die Möglichkeit sein Liebkind zu steuern.

Erst in einer Zeichentrick-Serie (die übrigens völlig zu Unrecht beinahe in Vergessenheit geraten ist!) und später in Form eines Kinofilms. Eine geplante Fortsetzung der Originalserie wurde übrigens zu Gunsten des Kinofilms abgesagt – die schon erstellten Drehbücher und Kulissen aber im Film und den Nachfolgeserien (von denen es einige gab) verwurstet.

Was man von dieser Person kennen sollte

Oh Gott. Was gibt es da nicht alles. Am Besten, man sieht sich auf NETFLIX alles an, was man finden kann. 😀

  • Star Trek: The Original Series
    Jene Serie, mit der alles begann. Klar … die Film-Technik ist nur mäßig gut gealtert. Aber wenn man lernt die einzelnen Episoden als bildliche Umsetzung philosophischer Problemstellungen zu sehen (und sich vielleicht vorstellt, dass die einzelnen Folgen mehr Theater als Fernsehen sind) ändert sich alles wieder.
  • Star Trek: The Next Generation
    Die erfolgreichste SciFi-Serie aller Zeiten spinnt die Ideen Roddenberrys über seinen Tod hinaus fort. Auch die gesellschaftliche Entwicklung, die sich zwischen 1964 (beginn der alten Serie) und 1987 (beginn des Drehs für die neue Serie) vollzog wurde wunderbar miteinbezogen. Und natürlich wurde auch weiter viel gewagt. 🙂

Zwar sind die anderen Serien (größtenteils) auch wunderbar – aber diese beiden sollte man unbedingt kennen. 🙂


Foto Credit
[1] By Larry D. Moore, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39969361

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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