Buch

Fallensteller: Kurze Surrealismen

Eine neue Erfahrung: Ein Buch, das einem gefällt. Und das man trotzdem nicht beendet...

Ein Abbruch, der keiner sein will

Ich habe dieses Buch abgebrochen – wenn man das so sagen will. Um das zu erklären: Ich habe es nicht zu Ende gelesen; aber nicht weil es so schlecht gewesen wäre. Nein. Eigentlich hat es mir gut gefallen.

Stanišić ist ein Meister im Umgang mit Worten. Seine in „Fallensteller“ versammelten Kurzgeschichten bestehen zu 50% aus interessanten Schilderungen, zu 25% aus einer fantasievollen Storyline und zu weiteren 25% aus Geplapper. In allen seinen Geschichten ließ er sich jedenfalls treiben, vermischt Realismus und Traum gekonnt miteinander und faselt den sich darauf einlassenden Leser in eine angenehme Lese-Trance. Zumindest ging es mir so.

Bestimmt nicht charakterlos

Die Stories sind natürlich recht unterschiedlichen Charakters. Dennoch haben (die meisten davon) viel gemein: Sie können einfach nicht auf dem Boden der Realität bleiben. „Magischen Realismus“ nennt man das, glaube ich, wenn eine klare Trennlinie nicht gemacht werden kann. Zunächst ganz normale Tauben verwandeln sich so in schwatzende Beifahrer, die Tiere des Waldes in Computerspieler und Pizzabäcker oder Grenzbeamte in nahezu omnipräsente Figuren.

Es gibt schon einer oder zwei Anhaltspunkte dafür, dass die Geschichten rudimentär zusammenpassen. Ich fand es zwar schwierig, diesen dünnen Fäden zu folgen, aber ganz bestimmt nicht unmöglich. Als ich allerdings feststellte, dass man sich gar nicht so sehr darauf konzentrieren muss, vielmehr jede Zeile für sich selbst stehen und wirken lassen kann, habe ich mich nicht weiter darum gekümmert.

Wenn die kurzen Texte mir etwas gegeben haben, dann die Gewissheit, dass ich eben jederzeit aufhören könnte ohne etwas zu verpassen. Das war ausgesprochen … entspannend, muss ich sagen. Natürlich weiß ich nicht, ob Stanišić das so geplant hat oder nicht… 😀

Fazit

Ich kann kaum beschreiben, warum der Text trotzdem gut war. Oder warum ich ihn, wenige Seiten vor dem eigentlichen Ende, „abgebrochen“ habe. Oder warum ich es nicht einmal so nennen wollen würde. Oder. Oder.

Vielleicht solltet Ihr selbst einen Blick hineinwerfen um Euch ein Bild zu machen…


Buchinformationen

Saša Stanišić
Fallensteller

Luchterhand Verlag
288 Seiten

(D) € 19.99 | (A) € 20.60
ISBN 9783630874715

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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