Redaktionell

Die Leipziger Buchmesse 2016 ist zu Ende…

Ich war ja leider nicht selbst vor Ort - aber dank dem Internet heißt das nicht, dass ich von den in Leipzig ausgelösten Debatten verschont würde. Und das ist gut so.

Totgesagte lesen länger

Der gemeine Buchleser wird ja inzwischen gerne totgesagt. Natürlich ist auch der Rekord, den die Leipziger Buchmesse 2016 in Sachen Besucher verzeichnen konnte, kein echtes ‚Gegenargument‘. Allerdings ist es ein Hinweis, dass die Literatur noch nicht gar so gern schwächelt, wie man ihr gerne nachsagt.

Wie unter anderem der Stern berichtet, haben in diesem Jahr 260.000 Menschen die Messe bzw das zugehörige Lesefestival besucht. Eine ganze Menge Totgesagte also.

Der Wandel

Einen gewissen Anteil daran dürfte auch die sich wandelnde Fangemeinde haben. Vor allem die in Form von Cosplayern prominent vertretenen Comic- und Mangafans dürften das Ihre dazu beitragen das strenge und biedere Image des Lesens an und für sich (Ihr wisst schon – das Bild vom alten Mann mit Brille, der im staubigen Zimmer vor seinem Regal im Schaukelstuhl sitzt) aufzulockern.

Auch das sich bessernde Verhältnis der Verlage zu „ihren“ Bloggern trägt sicherlich dazu bei. Ich wage zu behaupten, dass Literaturblogger für den Vertrieb eines Buches immer wertvoller werden; nicht zuletzt weil die klassischen Kritiker in den Feuilletons der Welt von immer weniger Menschen gelesen werden. Ob das gut oder schlecht ist möchte ich hier nicht (schon wieder) bearbeiten – Fakt aber ist, dass die Blogger einen wertvollen Beitrag zur Verbreitung der Lesekultur leisten können und leisten.

Der Blogger als B-Promi

Natürlich sind wir noch längst nicht soweit, dass die Antwort des Internets auf Kritik in Zeitungsblättern genauso akzeptiert wäre wie letztere. Vor allem die Frage nach der Entlohnung für Blogger – und die damit verbundene Neutralität – ließ einmal mehr die Wogen hochgehen. Auf Twitter kann man noch immer die Reaktionen nachlesen, die das Publikum während einer Podiumsdiskussion zum Thema zeigte.


Es scheint also so, dass die Verlage in der Zwischenzeit um die Bedeutung der Blogger wissen. Auch der Empfang derselben und die vielen Aktionen rund um ihre Präsenz sprechen die gleiche Sprache. Mit Belohnungen will man sich aber weiter vornehm zurückhalten, wie es scheint. Das ist, meiner Meinung nach, zwar legitim – aber dumm. An dieser Stelle möchte ich übrigens einbringen, dass ich mich bisher noch nie um Leseexemplare für meinen Blog beworben und das auch in Zukunft nicht vor habe. Als Buchhändler bekomme ich allerdings welche – und ich weiß nicht, ob ich mich nicht melden würde, wäre das bei mir nicht der Fall. 😉

Der dümmste Tweet zum Thema?

Wie weit es bei einigen Verlagen (oder besser: einigen für Verlage tätige Menschen) mit der Einsicht her ist, dass man nicht alles über jeden sagen kann, beweist Florian Kessler. Hat er früher eine recht spannende Debatte los getreten, ob nicht der deutsche Literaturbetrieb in der Zwischenzeit langweilig geworden ist weil die ewig gleichen Schriftstellertypen die ewig gleichen Themen aufgreifen, so hat er diesmal einen erstaunlichen Tweet in den Äther entlassen.

Man könnte sagen, er hätte sich darüber mokiert, dass alle ausgebildeten Schreiberlinge Elternhäusern entstammen, denen es an akademischer Bildung und / oder  Geld nicht mangelte. Womit er ja nicht unbedingt falsch liegt – zumindest war die Diskussion also interessant. Umso erstaunlicher ist dann allerdings dieser recht geistlose Tweet:

Natürlich kann das alles mögliche bedeuten. Es könnte zum Beispiel heißen, dass er Literaturblogger als prinzipielle Gegner der Verlage ansieht. Oder, dass er die Verlage mit der Waffenindustrie vergleicht. Beides eher fragwürdig. Literaturblogger sind allgemein eher für den „Flausch“ bekannt als für ihre Härte im Umgang mit Büchern – und die Verlage waren (in meinen Augen) bisher auch nicht so schlimm. Vielleicht sollte sein Arbeitgeber, also der Hanser Literaturverlag, sich einmal eingehender damit auseinandersetzen, was hier gemeint ist.

Wie dem auch sei…

Ich nehme an, dass Hr. Kessler die (von ihm kritisierte) kultivierte Langeweile der deutschen Buchlandschaft lieber von seinesgleichen kritisiert sehen würde als von dahergelaufenen Durchschnittslesern mit Heißgetränken. Seinesgleichen – das sind die gut ausgebildeten Schreiberlinge aus akademisch vorbelasteten Elternhäusern mit prall gefüllten Bankkonten. Wasser predigen, Wein süffeln. Auch in der Welt der Bücher ein großes Problem.

Meiner Meinung nach ist seine Reaktion auf die Forderung jedenfalls nur schwer anders zu verstehen. Denn das irgendjemand für einen Text belohnt werden will, den er geschrieben hat, sollte dem „freien Journalisten“ doch wohl klar sein.

Ich selbst bin übrigens recht wenig daran interessiert von Verlagen für meine Artikel (direkt) bezahlt zu werden. Die Gründe dafür werde ich an anderer Stelle ausführen.

Damit ich übrigens nicht nur den Kreis in dieser Debatte schließe, sondern auch darauf hinweise, wie ich auf die Idee mit dem ‚dümmsten Tweet‘ komme, möchte ich hier noch einen Tweet zeigen:

Ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, ob Klara Paul (die diese Debatte federführend mitgestaltet hat) recht hat – aber ich halte es immerhin für möglich. 😉

Was sagt Ihr dazu?

Wie sieht es denn bei Euch aus? Betreibt Ihr selbst einen Blog? Wenn ja – wollt Ihr entlohnt werden? Habt Ihr Euch das verdient? 🙂

Das Titelbild entstammt Pexels.com und der Public Domain.

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

6 Comments

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Dein Senf:

  • Super, das funktioniert schon mal. 😀 Von dieser Diskussion auf der Buchmesse habe ich auch ein bisschen was mitgekriegt. Ja, ich betreibe einen Blog, und nein, ich möchte nicht dafür entlohnt werden. Das würde sich für mich dann nach Pflicht anfühlen, und wo bliebe da der Spaß?

    • Freut mich, dass es klappt. 🙂

      Das ist genau der Grund, aus dem ich für meinen Blog noch nicht einmal Leseexemplare anfordere. Ich will mich nicht dazu gezwungen fühlen über ein Buch zu schreiben – schon gar nichts positives. 😀

      • Leseexemplare für meinen Blog habe ich auch noch nie angefordert. Ich bin in einem Leseforum, und die Bücher, die ich dort lese, rezensiere ich auch. Je nach Anzahl der Leserunden die ich mitmache kann das schon beträchtlich sein. Ich will mich nicht übernehmen. Alle anderen Bücher die ich lese oder höre rezensiere ich je nach Lust und Laune.

  • Ja, ich führe ein Blog (und eine Homepage) und nein, ich möchte keinesfalls dafür entlohnt werden. Die Gründe kannst du bei dir selbst nachlesen (http://www.dersinn.net/meine-top-5-gruende-dafuer-kein-geld-von-verlagen-zu-verlangen/) dann muss ich hier nicht so viel schreiben 😉

    Apropos. Hast du dich verschrieben, beim Korrekturlesen vertan oder bin ich zu begriffsstutzig? Lies doch bitte die beiden Absätze nach „Wie dem auch sei…“. Sollen die so sein?

    Alles Liebe
    Anna

    • Danke – da war tatsächlich der Wurm drin. Muss wohl beim Entschärfen meines ursprünglich geplanten Textes etwas mit dem löschen und ausbessern verbockt haben. Ich hoffe, so stimmt’s jetzt? 😀

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