Buch SubReduktion

Die lange Erde 3: Der lange Mars

Nicht alles, was erfolgreiche Autoren anfassen, wird ein sensationeller Bestseller. "Die lange Erde" ist ein solcher Fall: Eine tolle Idee, tolle Autoren - und doch eine nur mäßige Serie...

Manchmal auch die lange Weile

Es ist eine ganze Weile her, seit ich den zweiten Teil der „Long Earth“-Reihe gelesen habe. Das hat viele Gründe – zwei aber möchte ich gleich vorweg nennen: Der Textumfang und die Tatsache, dass zwar Pratchett und Baxter (zwei sensationelle Autoren) die Bücher geschrieben haben, aber leider keiner von beiden so richtig durchkommt. Dazu mehr.

Die Autoren

Stephen Baxter ist ein hervorragender SciFi-Autor. Seine Werke strotzen nur so vor sensationellen Gedankenspielen und einzigartiger Tiefe einmal aufgebrachter Ideen. Seine Stärke liegt sicherlich genau darin: Er schafft es, seinen Fiktionen Profil zu geben. Man hat das Gefühl, dass kein Experiment unrealistisch und kein Seemannsgarn gesponnen wurde, das wie eine Schlinge um den Hals des Lesevergnügens gelegt wurde. Kanaldeckel als Wurmlocheingänge? Klar. Römer, die den Weltraum besiedeln? Sowieso! Beste Voraussetzungen, oder?

Was Terry Pratchett anlangt, glaube ich nicht, dass ich noch viel sagen muss. Seine Unübertroffenheit, aus den abstrusesten Geschichten eine Bühne zu zimmern, auf der er uns etwas über unsere Welt und unser Leben erzählt, sind legendär. Völlig egal, ob Groß-A’Tuin männlich oder weibliche ist: Wo auch immer er/sie/es hinkriecht – wir folgen. Also auch hier nichts als hohe Erwartungen zu finden, wenn einmal der Name Pratchett auf dem Umschlag steht.

Und was, könnte man sich jetzt fragen, ist dann mit der Langen Erde verkehrt?

Flache Erde

Irgendwie ist es einfach so, dass von beiden nicht gerade das Beste durchkommt. Denn wo viel Licht ist, da ist auch so mancher Kaugummi verbaut. Die Idee, dass unsere Erde in Wahrheit in vielen verschiedenen, betret- und besiedelbaren Versionen nebeneinander existiert, ist sensationell. Auch die Überlegungen dahingehend, wie sich ein solcher Umstand auf uns auswirkt sind oft grenzgenial. Und doch merkt man dem Werk an, dass Baxters Hang zur weitschweifigen Erläuterung ungezügelt auf die unschuldige lange Erde losgelassen wurde. Die Bücher bestehen zu einem großen Teil aus Schilderungen von Dutzenden Welten, die nur mäßig interessant für die Entwicklung der Story sind. Das dünnt die Möglichkeiten des Plots aus uns zu packen.

Und auch, wenn Terry Pratchetts Hintergründigkeit deutlich zu spüren ist – von seinem Witz ist weit und breit nichts zu sehen. Wer sich also ein witziges Buch erhofft, ist sowieso völlig falsch hier. Aber bis auf ein paar Wendungen und ein gelegentlich aufblitzender oder umgekehrt überstrapazierend geschilderter Charakterzug ist sein Humor einfach … einfach … einfach nicht da.

In „Der lange Mars“ verfolgen wir also die meiste Zeit über unsere diversen Protagonisten dabei, wie sie durch die lange Erde stolpern. Gut … einige stolpern inzwischen über den langen Mars oder einen Haufen jugendlicher Genies mit herrschsüchtigen Zügen – aber im Grunde tut sich nicht viel. Lobsang, der omnipräsente Beschützer der Menschheit, scheint seine Schaltkreise immer weniger unter Kontrolle zu haben und sich mitsamt seinem ausgeprägten Hang zur Theatralik in sein buddhistisches Innenleben zurückzuziehen. Valiente weiß immer noch nicht so recht, was er eigentlich will und Sally weiß nur eines: Das, was sie im Augenblick hat, das will sie nicht.

Fazit

Ich will gar nicht weiter auf den Inhalt eingehen. Natürlich werde ich auch den abschließenden Band lesen. Aber wer nicht schon angefangen hat, dem empfehle ich andere Bücher. In erster Linie jene, die Pratchett und Baxter jeweils alleine geschrieben haben. 😀


Buchinformationen

Terry Pratchett,
Stephen Baxter
Der lange Mars

Manhattan Verlag
448 Seiten

(D) € 17.99 | (A) € 18.50
ISBN 9783442547616

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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