Diary

Die Kolumne meines Sohnes

Von Problemen in der Schule kann ich ein Liedchen singen. Die aktuelle Strophe handelt aber von meinem älteren Sohn. Und um da beim Refrain nochmal mitmischen zu können, werde ich ihm Platz auf meinem Blog einräumen. :)

Wie es dazu kommt…

Er hasst die Schule wie ich einen bestimmten Wiener Fußballclub. Beides ist merkwürdig. Weder interessiere ich mich sonderlich für Fußball, noch ist es für meinen Sohn typisch sich nicht für neues Wissen begeistern zu können. Doch was ich von einem Sportclub halte, hat keinen Einfluss auf mein Leben – oder den Club an sich. Im Fall der Schule sieht es aber anders aus. Und deshalb räume ich ihm, in Zukunft, ein wenig Platz auf meinem Blog ein.

Das Warum

Er rechnet ausgezeichnet und ist seinem Jahrgang eigentlich voraus. Er schreibt ausgezeichnet und ist seinem Jahrgang eigentlich voraus. Er hasst es nur einen Stift auf ein Blatt Papier zu setzen und Tinte ordnungsgemäß darauf zu verteilen. Ich weiß nicht, woher die Abneigung dagegen kommt; denn seine Geschichten sind – wenn man ihn denn nun einmal dazu zwingt sie nieder zu schreiben – ausgesprochen fantasievoll. Außerdem hatte ich immer den Eindruck, dass es ihm Spaß macht sie zu entwickeln.

Stark an „Beast Quest“ angelehnt erfindet er jede Menge glitzernde Drachen oder im All schwebende Bedrohungen, die unseren Planeten (oder die Welten, auf denen seine Geschichten spielen) umkreisen.

Bevor aber der erste Punkt auf dem Zettel gemacht wird, gibt es ewig-lange Diskussionen. Jetzt passt es gerade nicht. Wird später gemacht. Was auch immer. Und tatsächlich entwickelt er, in Windeseile, ungeahnte Wut. Das Verhalten ist unverständlich und beschränkt sich, was alles wirklich schlimm macht, nicht nur auf zu Hause. Ganz im Gegenteil. Auch in der Schule verhält es sich so.

Meine Anmerkungen darüber, dass er seiner Zeit durchaus voraus ist sind keine Hirngespinste eines stolzen Vaters. Sie sind vielmehr das Ergebnis von Tests, die mit ihm wegen dieses Verhaltens gemacht werden mussten. Immer wieder kam dabei heraus, dass er intellektuell alles nur keine Probleme mit dem Lernstoff hat. Selbst seine Lehrerinnen (in seiner Klasse gibt es zwei davon) sagen immer wieder, dass er zwar nicht aufpasst, am Ende aber einer Prüfung weit besser standhält als die meisten anderen. Und wenn er denn einmal aufpasst zählt er stets zu den schnellsten und erfolgreichsten.

Wir können aber nicht unbedingt von einer Unterforderung ausgehen. Es ist plumpe Unwilligkeit, die das Problem anheizt. Natürlich kümmert sich ein Therapeut darum, zu dem er einmal in der Woche auf eine Stunde geht. Der wiederum sagt, dass das Dilemma eigentlich nicht von meinem Sohn selbst ausgeht, sondern von einem völlig verkorksten, dümmlich-altmodischen Schulsystem. Baut einen als Vater auf – aber nur so lange, wie das Zeugnis nicht hinter der Tür auf einen lauert.

Das Was

Wenn es etwas gibt, das er mit großer Leidenschaft tut, dann ist es das Lesen. An der Stelle übrigens eine kleine Aufmunterung für alle Eltern, für die gerade das Lesen ein wunder Punkt ist: Auch das war am Anfang bei meinem Sohn eine Qual. Ich habe mir viel Mühe gegeben und ein paar Buchreihen gefunden, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Als Buchhändler übrigens nicht nur mit meinen eigenen Kindern. 🙂

Jedenfalls liest er gern. Und jetzt habe ich beschlossen, dass ich ihn regelmäßig über das schreiben lassen werde, was er gerade gelesen hat. Gut … es ist nicht das kreativste. Und: Es wird ganz sicher nicht der hochkarätige Text werden, der seinem Können gerecht wird. Natürlich wird er Widerstand leisten – aber die bloße Tatsache, dass er sich darauf eingelassen hat, ist schon eine Menge wert.

Also wird er, vielleicht einmal in der Woche, wahrscheinlich weniger häufig, einen kurzen Text verfassen. Diesen wird er handschriftlich bei mir abgeben und wir werden ihn gemeinsam in den Computer übertragen. Ich hoffe, dass die anfänglich zu erwartenden 3-4 Sätze sich zunehmend ausbauen. Wir werden sehen. Die Hoffnung stirbt jedenfalls zuletzt.

Warum ich das hier erzähle

Eigentlich möchte ich nur darauf aufmerksam machen warum in naher Zukunft hier merkwürdig-kindliche Texte auftauchen. Ich werde sie natürlich entsprechend kennzeichnen – aber es kann nie schaden eine Vorwarnung abzugeben.

Natürlich würde ich mich außerdem sehr darüber freuen von Euch zu hören! Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Was tut Ihr, um Eure Kinder für die Schule zu motivieren? Oder seid Ihr am Ende mit Sprösslingen gesegnet, die aus eigenem Antrieb heraus für sie arbeiten? Ich bin neugierig. 🙂

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

9 Comments

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Dein Senf:

  • Guten Morgen 😉

    erstmal, das ganze ist nicht einfach. Hat man Kinder die alles mit Leichtigkeit schaffen, nie Probleme machen und immer gute Noten nach hause bringen, dann ist man wirklich gesegnet. Aber hat man ein Kind, das aus irgendwelchen Gründen nicht ganz ins Bild passt das die Schule, die Gesellschaft hat, dann wird es echt, sorry für die Ausdrucksweise, scheisse. Ich kann ein laaaaaaanges Lied von singen.

    Meine ersten beiden Kinder hatten kein Problem und machten die Schule ohne irgendwelche Probleme und Aufwand. Aber mein Sohn, das begann schon als er in den Kindergarten musste. Und wir als Eltern wurden erst mal alleine gelassen. Dann schaltete sich der Schulpsychologische Dienst ein, die Schulleitung und dann wars gelaufen. Sie haben meinen Sohn echt kaputt gemacht. Klar, er hat Probleme, ADHS, ja das hat er wirklich und nein, ich gebe ihm kein Ritalin! Da hab ich mich immer geweigert. Ich habe mal ausprobiert aber danach schnell wieder abgesetzt. Kannst dir vorstellen wie ich da da stand? Anstatt sich die sich mal anpassen, also das Schulsystem sollen sich die Kinder anpassen. Am liebsten hätten sie Zombies. Die zwar da sind, zu hören aber bitte möglichst keinen Lärm machen.

    Jahr um Jahr musste ich antraben, kam mir vor wie auf der Schlachtbank. Ich allein im Kreis mit Schulpsychologe, Lehren und Schulleiter! Gemacht haben sie nie viel, nur gemotzt, Sanktionen verteilt und am Schluss wollten sie ihn mir weg nehmen. Da ich keinen Bezug zu meinem Sohn hätte? Hallo? Fragt ihr euch mal warum er sich so weigert in die Schule zu gehen, abgesehen davon das er immer ausgeschlossen und gehänselt wird wegen seiner Probleme? Nö, die Mutter ist Schuld und das Kind.

    Jetzt, inzwischen 20 hat er auch immer noch seine Defizite, ist aber alles andere als dumm. Er hat einfach mit der Schule mühe. Er hat bis jetzt kein Lehrer gefunden der sich die Zeit nimmt eine für ihn geeignete Kerntechnik auszuarbeiten. Die Schule war für ihn wirklich eine Qual. Und ich hatte nie die Möglichkeit ihn da aufzufangen. Ich putze immer nur die Scherben weg die die Lehrer und das Schulsystem hinterlassen hatten, Tag für Tag.

    Ich find es toll das du deinem Sohn diese Möglichkeit geben möchtest vielleicht mehr Freude am geschriebenen Wort zu bekommen. Aber ich frage mich, warum soll er erst alles von Hand aufschreiben? Vielleicht liegt es genau daran? Warum nicht gleich an den PC und mit ihm zusammen den text da ausarbeiten? Vielleicht macht es ihm wirklich spass so? Klar, das ist nur mein Gedanke dazu, ich will dir da nun wirklich nicht rein reden 😉

    Ich bin auf alle Fälle sehr gespannt auf diese Beiträge 😉

    Liebe Grüsse und viel Spass euch beiden dabei.
    Alexandra

    • Hallo!

      Klingt schauerlich – und ich hoffe, dass die Geschichte ein Happy End bekommt. Oder vielleicht schon hat.

      Lehrer sind zwar recht unterschiedlich, bisher gab es allerdings nur Probleme. Ich hoffe nur, dass die Maßnahmen, die ich und meine Frau jetzt setzen, helfen werden. Aber das würde jetzt zu weit führen.

      Er hat die größten Probleme damit, dass er überhaupt zu arbeiten beginnt. Und das zweitschlimmste ist es, wenn er etwas aufschreiben muss. Für mich geht es also in erster Linie darum seine Hemmungen gegen das Aufschreiben abzubauen – und ich hoffe, dass es ihm ein wenig Schub gibt seine Texte in Netz zu sehen.

      Die Wirkung seines Textes zu beobachten könnte ihn tatsächlich davon überzeugen, glaube ich, dass Schreiben nicht sinnlos ist.

      Ich weiß natürlich nicht, ob es helfen wird. Aber notfalls hat er einfach ein wenig geübt. 😉

      • Naben,

        das wars und ist es auch noch. In der Berufsschule ist es leider nicht viel anders. Auf ein happy End waren wir alle sehnlichst.

        Ja, da hast du wirklich recht, aber was ich erlebt habe übe fall die Schuljahre ab der 1. Klasse ist echt das letzte. Ich wünsch wirklich jedem das er mehr Glück hat mit den Lehrern. Ich drück euch auf alle Fälle ganz fest die Daumen. Und du musst das ja auch nicht ausdeutschen 😉

        Ich find das auf alle Fälle toll, ich ich wünsch euch das er wirklich Spass findet und das ganze etwas auflockert. Ich drück auf alle Fälle ganz doll die Daumen.

        genau, das ist dir richtige Eistellung.

        Schönen Abend und ganz liebe Grüsse
        Alexandra

  • Vielleicht hilft es ja, wenn Deine Leser dann Fragen stellen zu seinen Texten, also jemand Interesse zeigt? Ich halte es für ne gute Idee, zumindest einen Versuch wert, und bin gespannt auf das, was er schreiben möchte!

  • Ach das liebe Schulsystem -.-
    Meine Schwester ist Neun. Sie hat ne Lese-Rechtschribt-Schwäche aber sie will eigentlich auch unbedingt lesen, aber es frustriert sie dass sie den anderen Kindern so hinterher hinkt. Und das Schulsystem bietet echt wenig Möglichkeiten zu helfen. Die eine Stunde Hilfe, die sie in der Woche bekommt ist auch wie Wasser auf heißen Steinen.

    Ich bin sehr gespannt, was wir die Tage zu lesen bekommen 🙂
    Beste Grüße

    • Liebe Christi,

      sorry wenn ich mich hier dazwischen klinke. Aber ich kenn das nur zu gut, von mir selber, damals in der Schule, und jetzt meinem Sohn.

      Sag deiner Schwester nen ganz lieben Gruss von mir. Ich bin Legasthenikerin und lese für mein leben gerne und ja, ich bloggt sogar!

      Mir ging es damals genau gleich. Ich hab lesen gehasst. Ja, wirklich, was ich im Nachhinein wirklich schade finde. Dank meiner Mutter hab ich aber dennoch die Liebe zum lesen gefunden, zwar erst mit 12 aber ich freu mich das ich es mir nicht madig hab machen lassen. Auch heute noch lese ich viel langsamer als so viele andere. Aber hier möchte ich gar nicht mehr gross drauf eingehen.

      Sag ihr einfach sie soll sich nicht an anderen messen, das bringt nur Frust. Leichter gesagt als getan, aber lesen soll spass machen egal wie schnell man lesen kann und Übung ist alles, bei mir wurde es auch besser. Sollte sie „nur“ eine Lese-Rechtschreicb -Schwäche haben, kann sich das sogar mit der richtigen Unterstützung völlig zurückbilden. Was bei Legasthenie leider nicht geht, da wird es nur besser aber wirklich weg gehts nicht.

      Auf meinem Blog, wenn du magst, findest du mehr dazu 😉

      Liebe Grüsse
      Alexandra

    • Aye, es ist wirklich furchtbar. Die Gleichmacherei der Schulen ist eine Katastrophe. Ich bin deshalb auch ein großer Gegner der Ganztagesschule, die bei uns gerade groß besprochen wird. Sie einem maroden System noch länger auszusetzen hat, aus meiner Perspektive, einfach keinen Sinn. Zwar wird immer davon geschnattert, dass dann auch mehr geholfen werden kann – aber ich zweifle sehr stark an dieser Behauptung.

      Ich wünsche Deiner Schwester jedenfalls viel Geduld… 😉

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