Comic

Der Hobbit: Die Comic-Fassung

Es ist nicht immer leicht ein Buch als Comic zu adaptieren. Bei "Der Hobbit" ist das aber durchaus gelungen...

Viele bunte Bilder

Dass Tolkien einen seiner größten (äh … kleinsten?) Helden eigentlich als Geschichte für seine Kinder erdacht hat, ist allgemein unbekannt. Zumindest, wenn man danach geht, wie oft ich darauf angesprochen wurde. Von enttäuschten Lesern, versteht sich…

Wie dem auch sei: Der Stoff, aus dem „Der Hobbit“ gemacht ist, bleibt trotzdem reichhaltiger als so manch andere Geschichte. Tolkiens Welt ist ja vor allem dafür bekannt, dass sie von Grund auf durchdacht ist. Mythen, Märchen, Legenden – ein großer Teil all dessen, was im Hobbit en passant gestreift wird, existiert als vollständige Geschichte auf irgendeinem Blatt Papier.

Und das macht es oft schwer, Bilder zum Text zu finden. Schließlich will viel bedacht werden, was in den eigentlichen Büchern nicht erwähnt wird. Man kann so schnell etwas falsch machen, wenn man einer Figur ein Gesicht schenken möchte; so vieles vergessen, während man die Völker, Rüstungen und Orte aus den Büchern illustriert.

Lasst uns also eines vorwegnehmen: Perfekt ist es nicht. Ich hab‘ den Fehler zwar nicht gefunden, bin mir aber sicher, dass ein ausgewachsener Tolkinist keine Probleme damit haben dürfte das sprichwörtliche Haar zu identifizieren. 😀

Widmen wir uns also dem Comic selbst. Er folgt der Geschichte des Herrn Beutlin gerade so, wie wir sie aus dem Buch kennen. Wer sich lieber an den Filmen orientieren möchte (was ich schon allein deshalb nicht könnte, weil ich beim Fernsehen immer eingeschlafen bin), der wird sich darüber wundern, wie viel weniger episch der Plot daher kommt.

Bunt

David Wenzel hat sich also am Originaltext orientiert. Das sieht man auf jeder einzelnen Seite. Sein Bilbo ist kindlich, pausbackig und trägt stets einen Gesichtsausdruck zwischen schelmisch und trotzig zur Schau. Egal was auch geschieht – dieser Eindruck ändert sich durch das ganze Buch nicht. Ganz im Gegensatz dazu hat er die übrigen Gestalten Mittelerdes, die er über den gesamten Weg zum Hort des Drachen Smaug illustriert, so auf Papier gebannt, wie man es sich von einer ordentlichen Fantasy-Adpation wünscht. Erdige Farben, angemessene Details und klassisch-konservative Panels.

Bilbo steht also im krassen Gegensatz zu den anderen Figuren, könnte man meinen. Rein Technisch ist das auch so – währe da nicht die Tatsache, dass einem dieser Umstand schon nach wenigen Seiten nicht mehr auffällt. So schlägt Wenzel die Brücke zwischen dem Kinderbuch und dem Erwachsenen (oder besser: All-age) – Comic perfekt und verknüpft die Vorstellungen beider Lesergruppen nahtlos miteinander.

Der Text

Was einem während des Lesens sofort auffällt: Das Lesen. Für einen Comic wird die Geschichte in nahezu exzessiver Weise mit Text erzählt. Für meinen Geschmack ein wenig zu selten verzichtete Chuck Dixon darauf die Geschehnisse zu kommentieren und die Bilder für sich sprechen zu lassen. Nicht, dass seine Adaption des Textes (vielmehr: seine Kürzungen) schlecht wären. Aber an manchen Punkten hätte ich mir wirklich gewünscht ein wenig weniger zu lesen.

Ein Comic ist eben ein anderes Medium. Und nicht nur, dass es gelegentlich für die Augen anstrengend sein kann auf Hochglanzpapier so viel Text zu lesen. Vielmehr hätte ich es begrüßt, wenn man die Vorteile des Zeigens durch Illustrationen hervorgehoben hätte. Die Geschichte selbst kannte ich ja schon…

Fazit

Natürlich ist der Comic trotzdem ein Muss, wie ich finde. Als Hobby-Tolkinist, der Fantasy sonst nicht all zu häufig verdauern kann, würde ich ihn auch deshalb allen Genre-Fans ans Herz legen, weil es (meines Wissens) sonst nicht so viele wirklich gute Fantasy-Graphic-Novels gibt. Zumindest keine, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen lesen können. 😉


Buchinformationen

JRR Tolkien
David Wenzel und Charles Dixon
Der Hobbit

Carlsen Verlag
144 Seiten

(D) € 24.95 | (A) € 25.60
ISBN 9783551761033

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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