Buch

Das Objekt: Der bessere Marsianer?

'Das Objekt' ist ein Science-Fiction-Roman, wie man ihn unbedingt einmal gelesen haben sollte. Detailverliebt wie 'Der Marsianer' und doch wesentlich spannender!

Ein Vergleich

dasobjektWer erinnert sich nicht an den ‚Marsianer‘? Letztes Jahr war der Debüt-Roman von Andy Weir sicherlich der prominenteste SciFi-Roman, der es in die Herzen breiter Massen geschafft hat. Das hat mich schon damals sehr gewundert. Nicht, dass die Idee selbst nicht faszinierend war: Ein Mann, der allein zurückbleibt. Und zwar wirklich allein – auf dem Mars. Ich fand allerdings das Strickmuster (Problem-Lösung-Problem-Lösung-Problem-Lösung, etc.) recht unerträglich.

Die Grundidee allein war es allerdings gar nicht, die viele an ‚Der Marsianer‘ begeistert hat. Vielmehr war es der unglaubliche Detailreichtum, der durchaus sogar mich beeindruckt hat. Denn abseits der Tatsache, dass dieses ständige Rad aus Problem und Lösung vielleicht ein wenig plump daher kam (ok – sehr plump sogar) waren die Lösungen und die Probleme ausgesprochen realistisch geschildert und sensationell gut durchdacht!

‚Das Objekt‘ hat viele der positiven Eigenschaften des letztjährigen Erfolgsromans übernommen ohne narrativ in die gleiche Monotonie zu verfallen.

Ein Wettrennen

Irgendwo in der Nähe des Merkur geht etwas merkwürdiges vor. Zunächst ist nicht ganz klar was genau – klar ist nur, dass es noch nie zuvor passiert ist. Als sich schließlich herausstellt, dass die merkwürdigen Messwerte auf ein außerirdisches Raumschiff zurückzuführen sind, entbrennt binnen Tagen ein Wettrennen zwischen den beiden größten Raumfahrer-Zivilisationen: Den USA und China.

Während die USA damit beginnen ihre im Orbit befindliche Raumstation langsam umzurüsten, basteln die Chinesen an ihrem ursprünglich für einen Flug zum Mars vorgesehenen Raumschiff herum. Schließlich sind beide Nationen gut aufgestellt und machen sich Hoffnungen als erste nahe genug an den Merkur zu kommen um dort mit den Aliens  zu kommunizieren.

Als sich beide auf den Weg gemacht haben wird sehr bald klar, dass Fairness nicht gerade zur Lebensplanung der Supermächte gehörte. So fällt an Bord der Richard M Nixon (dem US-Schiff) sehr bald so einiges an Gerät aus und die Chinesen werden Opfer diverser Täuschungen durch die Amerikaner. Doch unterwegs stellt sich vor allem eines ein: Alltagsprobleme. Es ist eine lange Reise – und die Spontanität des Aufbruchs hat in Sachen Stimmung an Bord durchaus ein Wörtchen mitzureden.

Es geht auch anders

Was ‚Das Objekt‘ mit dem ‚Marsianer‘ verbindet ist zweifelsfrei die Liebe zur wissenschaftlichen Exaktheit. Nicht, dass ich jede einzelne technische Behauptung in den Büchern überprüft hätte – aber darum geht es dabei ja auch gar nicht. Vielmehr vermitteln beide Autoren den Eindruck, sie wüssten wovon sie sprechen. Was sie schreiben scheint Hand und Fuß zu haben. Es klingt plausibel.

Dafür trennt sie die Tatsache, dass der Plot von ‚Das Objekt‘ echte Spannungselemente mit sich bringt. Aliens – außerirdische Zivilisationen. Ein erfrischend neuer Zugang zu einer nicht-existenten intergalaktischen Community. Und vor allem fällt auf, dass die USA zwar eine dominante Rolle einnehmen, dafür aber keineswegs so positiv überzeichnet wirken wie in anderen Romanen. Überhaupt ist der schonungslose Umgang des Autors mit Klischees eine erfreulich unprätentiöse Angelegenheit.

Ich habe es sehr genossen einmal wirklich gespannt sein zu dürfen wer jetzt nun der ‚Böse‘ in der Geschichte ist. Obwohl … eine echte Auflösung bleibt uns ‚Das Objekt‘ schuldig.

Fazit

Für mich war ‚Das Objekt‘ der bessere ‚Marsianer‘. Es ist nicht fehlerfrei – und an der einen oder anderen Stelle hängt der Plot sogar durch wie eine nur auf einer Seite befestigte Hängematte. Dafür ist die Geschichte als Ganzes weitaus interessanter als sie sich zunächst anhört. Nicht nur, weil der Autor eben ungewöhnliche Konzepte in Sachen außerirdische und irdische Kulturen verbauen konnte, sondern auch, weil sich ernstlich etwas bewegt während er das tut.

Ich kann das Buch jedenfalls allen empfehlen, denen der Marsianer gefallen hat. Ihr werdet die Lektüre sicher nicht bereuen.


Das Buch

ISBN 978-3492703970
Preis (D) 16.99 | (A) 17.50
Link zum Buch auf der Website des Verlags

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

2 Comments

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Dein Senf:

  • Super. Den Marsianer mochte ich sehr, diese Mischung aus Robinson und MacGyver war einfach zu fesselnd.
    Vom Objekt hatte ich nur die Vorab-Leseprobe gelesen und mich etwas über die allzu typischen amerikanischen Figuren geärgert, weshalb sich die Motivation dann stark in Grenzen hielt, da weiter zu lesen.
    Allerdings: gerade habe ich Paradox von Peterson fertig und auch das spielt mit einem ähnlichen Thema. Auch hört begeistert die Wissenschaftlichkeit des Textes und, das hat mich besonders beeindruckt, die Gesellschaftskritik. Soll heißen: lies das mal! Lese dann im Gegenzug Das Objekt 😉

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