Buch

Das Geheimnis des perfekten Tages

Man kann ja nicht immer das Gleiche lesen. Und deshalb sollte man manchmal eben zu etwas greifen, das man sonst nicht zur Hand nehmen würde. In meinem Fall: Dieses Buch.

Lustig, lustig…

Eigentlich mag ich „Comedians“ nicht besonders. Schon allein der Name … klingt mir zu sehr nach „Spaßmacher“ – und das wiederum nach Arbeit. Gewolltes, bezahltes lustig sein. Ihr wisst schon.

Die meisten verbreiten jedenfalls geistlosen Quatsch, finde ich. Sie tarnen schlechte Witze durch lautes Brüllen, das Herausstrecken der Zunge oder publikumswirksamem Verdrehen der Augen im richtigen Moment. Kurzum: sie sind gar nicht wirklich lustig. Das heißt nur so.

Dieter Nuhr war also (weil er bei mir eben nicht unter „Kabarettist“ sondern unter „Comedian“ lief) eigentlich niemand, mit dem ich mich befassen wollte. Natürlich könnte ich keine gute Erklärung dafür abliefern, was der genaue Unterschied ist – zumindest keine allgemein gültige. Für mich hat das Kabarett einen politischen, gesellschaftskritischen Hintergrund (wie etwa bei Volker Pispers); ganz im Gegensatz zu den Werken von „Comedians“ oder „Komikern“ wie etwa Michael Mittermeier. Obwohl … der ist natürlich ein schlechtes Beispiel. Schließlich trifft er ja gelegentlich sogar meinen Geschmack. Na … egal.

Trotzdem

Wir kennen doch alle den Begriff der „Filterblase“. Er wird ja gerne im Bereich der Social Media für das Phänomen eingesetzt, dass wir (an Informationen) nur noch das angezeigt bekommen, was uns in unserer Meinung bestärkt. Wir alle filtern die Realität also nach unserem Geschmack. Das ist natürlich der Tod jeder Kreativität, die etwas noch nie zuvor kombiniertes zusammenbringen muss. Aber natürlich ist das Problem dieser Blasen nicht neu, es hat nur neue Dimensionen erreicht.

Um jedenfalls der Gefahr zu entgehen allzu einseitig zu werden, lese ich gelegentlich etwas, das mich überhaupt nicht interessiert. Meistens – und das ist das Merkwürdige daran – ist das eine durchaus spannende Erfahrung. Ich hatte, in meiner Schulzeit, eine einzige echte Schlüsselerfahrung, die mich bis ins Erwachsenenalter geprägt hat. Einen Lehrer, der mir gesagt hat, dass Interesse ausschließlich von Wissen käme – etwas, das ich natürlich sofort abstritt. Ich war 16. Ich hätte die Existenz des Mondes geleugnet, hätte ein Lehrer mir gesagt er stünde am Himmel.

Wie auch immer. Aus diesem Grund lese ich also in regelmäßigen Abständen Dinge, mit denen ich sonst nichts zu tun haben will und bin so auf Dieter Nuhr gestoßen. Und ich muss zugeben, dass ich mich in ihm getäuscht habe.

Der Inhalt

Nuhr beschreibt einen fiktiven Tag voller irrer Überlegungen über Gott und die Welt. Wortwörtlich. Während er uns also 24 Stunden schildert, die er zu Hause verbringt, lässt er uns also an allem teilhaben, was ihm so durch den Kopf schießt. Das kann schon mal seine Abneigung gegen militante Veganer sein, denen er unterstellt, dass sie hauptsächlich deshalb Pflanzen bevorzögen, weil diese sich nicht wegdrehen, sobald man den Versuch unternimmt mit ihnen zu sprechen. Aber auch etwas profunderes, etwa seine Ansichten über den Zustand der Kaste der Journalisten streifen unseren Weg.

Er behält dabei konstant den Plauderton bei, verliert sich oft in Schilderungen und Beschreibungen ohne sich dabei in pseudo-lustigen Belustigungseskapaden™ zu ergehen. Ich würde seine Art nicht gerade „erfrischend“ nennen. Dafür aber „entlarvend“. Es sind nicht die großen Fragen des Lebens, die er angeht, sondern die vielen, vielen Kleinen, auf den gesamten Alltag verteilten Wahnsinnigkeiten des Lebens, die er kommentiert.

Es ist also ein guter Mix aus flachem Witz und hintergründigem Humor, den er in „Das Geheimnis des perfekten Tages“ präsentiert. Und ich kann das nur empfehlen.


Buchinformationen

Das Buch

Dieter Nuhr
Das Geheimnis des perfekten Tages

Bastei Lübbe
312 Seiten

(D) € 9.99 | (A) € 10.30
ISBN 9783404608836

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

2 Comments

Click here to post a comment

Dein Senf:

  • Schönen Abend dir 😉

    Ich mag ja den Nur eigentlich sehr gerne, eben weil er nicht nur flach daher kommt sondern durchaus den Wendepunkt tritt. Manchmal muss man vielleicht hinter die Fassade gucken oder einfach nur ehrlich mit sich selber sein, um die Witze nicht als lahm zu verstehen. Keine Ahnung.

    Aber ich muss zugeben, ein Buch von ihm hab ich noch nie gelesen, nur immer seine Programme im TV geguckt. Vielleicht solle ich das mal ändern, denn dieses Buch klingt doch spannend, wie ich finde. Also danke für den Tipp.

    Liebe Grüsse
    Alexandra.

    • Aloha!

      Leider kann ich nicht beurteilen, ob die Bücher oder die TV-Programme besser sind. Lass‘ es mich also nachher wissen. 😉

Goodreads

Werbung

Goodreads Challenge 2017

2017 Reading Challenge

Sinn has read 0 books toward his goal of 80 books.
hide
%d Bloggern gefällt das: