Buch

Das geheime Leben des Monsieur Pick

Der französische Regisseur lässt drei Minuten lang eine Tür filmen - und dann einen Schwenk auf eine Taube machen. Er hält das für genial. Soweit meine Meinung über französische Filme (und Bücher). Foenkino belehrt mich eines Besseren...

Obwohl Frankreich

Wer hat nicht schon einmal versucht, ein paar Zeilen so zusammenzuschustern, dass daraus eine Geschichte wird? Eben. Und weil es nur den wenigsten von uns gelingt das auf eine Art zu tun, die andere auch zum Lesen anhält, wird nicht jeder von uns Autor oder Journalist. Schade, versteht sich. Aber unabänderlich.

Ich habe das Buch eigentlich nur gelesen, weil ich es als Leseexemplar bekommen habe und man es mir unglaublich ans Herz gelegt hat. Vor allem weil jeder weiß, dass ich mit Frankreich-Romanen so meine liebe Not habe. Üblicher Weise ist es nämlich so, dass mein inneres Auge sofort in den Arthouse-Modus verfällt, sobald der erste französische Name auftaucht. Und das ist schlecht – nicht zuletzt, weil ich bis heute schwer davon überzeugt bin, dass Franzosen viel können, aber keine Dialoge für Filme schreiben.

Foenkinos Buch ist da ein wenig anders. Sein Stil ist alles andere als verdächtig für das Arthouse-Kino interessant zu sein. Jugendlich, ohne jeden Schnörkel und vor allem recht zügig die Story vorantreibend.

Ab in die Provinz

In „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ nimmt sich ein französischer Provinz-Bibliothekar jener Texte an, die eben jenes Schicksal teilen: Das Nicht-Gelesen-Werden. Er stapelt Manuskripte aufeinander und reserviert ihnen einen Teil seiner Bibliothek. Wären es Meisterwerke, so würden sie dort Patina ansetzen; so ist es leider nur Staub.

Als eine junge Lektorin mit ihrem Freund, der seines Zeichens ein mäßig erfolgreicher Autor ist, die Bibliothek besuchen, wühlen sie sich (zum Erstaunen der inzwischen dort tätigen Bibliothekarin) durch das Blättermeer aus ungewollten Tagträumen, bis sie auf einen Diamanten unter den Kohlestücken treffen: Das Manuskript eines Herrn „Pick“, der, bis vor wenigen Jahren und vor seinem Tod, die örtliche Pizzeria betrieben hatte.

Fest davon überzeugt, dass nicht nur das Buch, sondern auch die Geschichte des Buches selbst eine Entdeckung ist, überredet sie ihren Verlag zur Herausgabe des Buches. In diesem Augenblick verwandelt sich das bisschen Papier zwischen zwei Pappdeckeln in einen Tropfen, der im Ozean menschlicher Schicksale Wellen schlägt.

Fazit

Locker-flockig erzählt Foenkino von eben jenen Menschen, deren Leben vom Erfolg dieses Buches und seiner Geschichte beeinflusst werden. Die Zweifel der Autorenschaft – die Folgen für dessen Familie: Dem Lesenden ist oft, als würde er die Wellen beim größer werden verfolgen, und ihre Bewegung immer weiter Weg von ihrem Ausgangspunkt beobachten. Dabei geht er gar nicht so sehr in die Tiefe, setzt mehr darauf die Bilder zu malen und die Interpretation ihrem Betrachter zu überlassen. Ein Streifzug, sozusagen, der manchmal eine deutlich wahrnehmbare Distanz zwischen die Figuren, die Geschichte und den Leser bringt.

Das Buch ist eine erfrischende Abwechslung zu schwerer Lektüre – und trotzdem nicht geistlos. Eine Kombination, auf die ich nur selten stoße. Und ein Buch über eine Liebesgeschichte zu schreiben, die sich auf mehreren Ebenen und in den verschiedensten Köpfen, abspielt, ist eine zu würdigende Leistung.

Und zum Schluss noch ein kurzer Satz: Vielleicht war Monsieur Pick ja doch kein von Selbstzweifeln verschüttetes literarisches Genie. Vielleicht ist er nur ein Name. Am Buch. Im Buch. Und drum herum.


Hinweis

David Foenkino
Das geheime Leben des Monsieur Pick

Deutsche Verlagsanstalt (DVA)
336 Seiten

(D) € 19.99 | (A) € 20.60
ISBN 9783421047601

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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