Buch

Bauer Giles von Ham

Nicht in Mittelerde - nicht in unserer Welt. Zwischenerde, sozusagen. Tolkiens Werk abseits der "Herr Der Ringe"-Abenteuer ist kaum bekannt. Hier ein Beispiel dafür...

Mythen aus einer Zwischenwelt

Tolkiens Fähigkeit breite, epische Geschichten zu schreiben (zumindest, was den Herrn der Ringe anbelangt) ist ja allgemein bekannt. In vielerlei Hinsicht sieht er fast schon wie der Schöpfer des Genres aus, ist seine Trilogie doch Vorlage für eine schier endlose Menge an Werken geworden. Allenfalls weiß man noch über „Der Hobbit“ bescheid – schließlich gibt es dazu auch eine Verfilmung.

Aber dass nebenbei noch ein ganzes Universum an Ideen von ihm die Genesis seiner Welten betreffend verarbeitet wurde, das ist nur den wenigsten bekannt. Genauso wenige wissen, dass er ursprünglich eigentlich eher als Kinderbuchautor galt – ein Ruf, den er nur schwer loswurde, ehe er der breiteren Masse durch sein Hauptwerk bekannt geworden war.

So ist auch „Bauer Giles von Ham“ eines jener Bücher, das nicht nur beinahe nie erschienen wäre, sondern auch nach seinem Erscheinen bald wieder verblasste. Zu unrecht! Denn mit dem tapferen Bauern schuf der englische Autor eine Figur von Witz, die er inmitten einer Mischwelt aus vergangenen Jahrhunderten und Vorstellungen verortete. Einer Welt, in der bereits Donnerbüchsen vorhanden waren, die aber noch von Drachen und Riesen (mit-) beherrscht wurde.

Ach … ich erzähle schnell worum es geht…

Riesen, Schrot und Drachenjäger

Ein Riese trampelt im mittleren Reich umher und schreckt den Hund eines Bauern auf, der zu verbotener Stunde auf den Feldern Kaninchen jagt. Dieser läuft natürlich schnurstracks nach Hause und alarmiert den Bauern. Natürlich glaubt der dem Hund kein Wort (denn Hunde plappern öfter mal wirres Zeug, muss man wissen), nimmt aber trotzdem seine Donnerbüchse mit und zieht aus um nach dem Rechten zu sehen. Nun … wirres Zeug hin oder her – da stand tatsächlich ein Riese auf dem Feld.

Bauer Giles vertreibt ihn mithilfe einer Ladung des merkwürdigsten Schrots in der Geschichte merkwürdiger Waffen in merkwürdigen Königreichen. Der Bauer wird ein gefeierter Held, vom König mit einem Brief und einem Geschenk geehrt. Das Geschenk ist nichts geringeres als ein besonderes Schwert, das ihm später dabei helfen wird jenen eingebildeten Drachen zu verjagen, der sich (gereizt durch die Geschichte des heimgekehrten Riesen, der von weiten Feldern, Schafen und anderen Leckereien berichtete, die er vor Ort gefunden hatte) in der Nähe von Ham aufhielt. Nunja … ich will nicht zu viel verraten – aber eines sei noch gesagt: Manche Helden schlottern mit den Knien, bevor sie sich ins Getümmel werfen. Oh! Und: Manche Getümmel involvieren Schwerter. Diese müssen dann aber nicht unbedingt die schärfste Klinge sein, die geführt wird.

Ein Märchen für das Hobby…

Wie auch immer: Man erlebt, durch die ganze Geschichte hindurch, Tolkiens Gespür für sehr feinsinnigen Humor. Obwohl es sich bei dieser Erzählung eindeutig um ein Märchen (oder etwas, das sehr dicht dran ist) handelt, haben nicht nur Kinder etwas davon.

Da dieser Ausgabe auch die ursprüngliche Fassung (also jene, die er niederschrieb nachdem er die Geschichte seinen Kindern erzählte) beiliegt, kann man hervorragend nachvollziehen, wie Tolkien arbeitete. Besonders sein eigentliches Liebkind, die Sprachspielerei, erlebt dabei nämlich eine unglaubliche Evolution.

Dieses Buch zu lesen ist für (Hobby-) Tolkinisten sicher eine tolle Sache. Deshalb empfehle ich es besonders dieser Gruppe unter den Fantasy-Lesern. 🙂


Buchinformationen

Tolkien, J R R
Bauer Giles von Ham

Klett Cotta / Bobbit Presse
241 Seiten

(D) € 14.95 | (A) € 15.40
ISBN 9783608960921

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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