Buch

Basar der bösen Träume

Der Meister des Horrors fetzt mit "Basar der bösen Träume" eine Schlechte-Nacht-Geschichte nach der anderen heraus.

Eine lange Nacht

Wenn Stephen King sein kreatives Ross reitet, ist es schwer die Richtung vorherzusehen. Nur das Ende – das Ende kann man meist erahnen: Es ist ein grausames.

Anders als in vielen anderen Sammlungen handelt es sich bei „Basar der bösen Träume“ nämlich nicht um eine reine „Horror“-Sammlung. Vielmehr kommt jene Stärke zum Tragen, die Stephen King von so vielen anderen Autoren abhebt: Das Ausbauen faszinierender Charaktere, die uns mal mit ihrer Gewaltbereitschaft und mal mit ihrer Unschuld beeindrucken. Letztere – zugegeben – zwar meist nur kurz, aber was soll’s. Jedenfalls ist es nicht so, dass er seine Plots stets rund um das „Monster der Woche“ aufbaut, sondern oft einfach seine Figuren miteinander interagieren lässt. Ganz ohne Flüche, Dämonen oder irren Krankenschwestern.

Der sich daraus ergebende Mix wäre bei vielen anderen Autoren kaum erträglich. Zumindest ich kann damit nichts anfangen, wenn ich mir eine Horror-Sammlung kaufe, und dann einfach von ausrastenden Typen auf einer Tankstelle lese. Das Genre hat für mich stets den Hauch des Übernatürlichen – alles andere sind nur Thriller. Aber wie in so vielen anderen Hinsichten auch, ist „Basar der bösen Träume“ eine Ausnahme.

Einzelheiten

Man möchte (natürlich) am liebsten jede Geschichte einzeln kommentieren. Das werde ich hier und jetzt nicht tun, versprochen. Wollen würde ich es aber schon. Das liegt daran, dass es außer Stephen King nur wenige Schriftsteller gibt, die mit so wenigen Worten ganze Welten erschaffen können. Ob es nun solche sind, in denen ein kleiner Zufall dafür sorgt, dass ein Mann innerhalb weniger Stunden alles verliert, was ihm lieb und teuer war (oder zumindest … teuer), oder darum, dass ein Mensch sich nach seinem Tod in einem bürokratischen Albtraum wiederfindet, dessen Ausweglosigkeit vielleicht der schlimmste Horror von allen ist – innerhalb weniger Zeilen ist man in der Geschichte Gefangen und kann (oder will?) nicht heraus.

Klar, manche dieser Stories sind besser als andere. Aber insgesamt ist es ein gelungener Band, der (wie oft) vom Meister persönlich durchkommentiert, also mit einem Vorwort zu den einzelnen Stories versehen, wurde. Ich mag das. So erfährt man viel über die kreativen Vorgänge im Kopf von Stephen King – auch, wenn das vielleicht nicht immer das Allerbeste ist.

Übrigens: Einige der Geschichten wurden schon vorab publiziert. Es ist aber noch immer genug für alle da. 😉


Buchinformationen

Stephen King
Basar der bösen Träume

Heyne Verlag
814 Seiten

(D) € 12.99 | (A) € 13.40
ISBN 9783453438927

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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