Buch

Am Ende aller Zeiten: Normalo-Apokalypse

Nicht immer passen Anspruch und Realität zusammen. "Am Ende aller Tage" ist so ein Fall. Titel und Geschichte haben miteinander wenig zu tun. Trotzdem ist das Buch ein witziger Einfall...

Das Ende der Langeweile

amendeallerzeitenIn vielen, vielen Fällen gibt es eine Kluft zwischen dem, was wir uns von einem Buch erwarten, und dem was es liefert. Auch bei „Am Ende aller Zeiten“ ist das der Fall. Der deutsche Titel trägt viel zu dick auf um der Besonderheit des Abenteuers gerecht zu werden, das zwischen den Buchdeckeln steckt. Denn wenn etwas diesen Roman auszeichnet, dann zwei Dinge: Erstens hat der Autor auf Zombies verzichtet. Für ein Buch, in dem die Apokalypse der Anfang ist, eine mutige Sache. Zumindest dieser Tage. Und zweitens ist der Protagonist ein Normalo wie es in der einschlägigen Literatur selten einen gibt.

Ein Kennenlernen

Er ist dick, faul und alles andere als ein vorbildlicher Vater. Tatsächlich ist er nicht einmal sicher, ob die Liebe für seine Familie je ausreichend vorhanden war. Nicht, dass er es nicht versucht – es ist nur so, dass ein schwelendes Stück Kohle nicht einfach zu brennen anfängt, nur weil man es die ganze Zeit über skeptisch beobachtet. Insgeheim mag er davon überzeugt sein, dass alles den Bach runter geht – aber trotz allem: Weder will er dabei mit untergehen, noch soll jemandem aus seiner Familie etwas passieren. Und als die Apokalypse, von der er eben schon immer heimlich geträumt hat, endlich eintritt … tja. Sieht sie eben ganz anders aus, als er sie sich vorgestellt hatte.

Während also der Weltuntergang in Form von Gesteinsbrocken auf die Erde klatscht, ist der Großteil der Erdbevölkerung damit beschäftigt sich gegenseitig und in letzter Sekunde zu bedrohen. Vorräte. Schutz. Was auch immer. Als die Feuersbrünste schließlich über die Welt fegen, sterben sie mit erhobenen Fäusten. Romantisch – aber dämlich.

Unser Protagonist jedenfalls überlebt, dank seiner Instinkte und einer plötzlichen Skrupellosigkeit, wie sie nur die nackte Panik in einem hervorbringen kann. Der Tod anderer ist unabwendbar – der eigene (mit ein wenig Glück) nicht. Und so kommt es, dass die postapokalyptische Welt durchaus noch besiedelt ist. Dünner, aber immerhin.

Eine Aufgabe

Ein wenig später ist es soweit: Aus dem Staub der Welt steigt ein recht zerrupfter Phönix. Und er trägt Uniform. Ohne große Fragen ordnet sich unser Protagonist in die Reihen derer ein, die sämtliche Reste der Zivilisation geordnet zusammentragen wollen. Deshalb ist er auch unterwegs, als Frau und Kind von organisierten Kräften „errettet“ und an einen Ort am anderen Ende Groß Britanniens gebracht werden.

Schließlich steht für ihn eines fest: Wo auch immer sie sind – und was auch immer mit seinen Gefühlen für sie los ist: Dieser Ort ist sein Ziel. Und wenn er die ganze Zeit laufen müsste um rechtzeitig einzutreffen, bevor die Reise für seine Familie weitergeht – er wird rechtzeitig da sein.

Fazit

Wenn man einen Postapokalypse-Roman liest, erwartet man große Action. Mad Max. Walking Dead. Nicht so wichtig, Hauptsache eine Menge Bilder schwirren uns durch den Kopf und sie alle werden im Breitbild-Format in unseren Köpfen abgespult. „Am Ende aller Zeiten“ verhält sich zu diesen Weltuntergangsvisionen wie ein Fernsehfilm zu Popcorn-Kino: er ist wesentlich näher an der „Realität“ und bleibt deutlich bodenständiger. Und das führt hie und da zu unnötigen Längen.

Andererseits bietet er so auch das einzigartige Gefühl der Verbundenheit, wie es die großen, routinierten Autoren nicht mehr erzeugen können. Jedenfalls nicht, ohne aus ihren Helden Über- oder Untermenschen zu machen. Walker debütiert hier beinahe, hat zuvor noch nicht allzuviel veröffentlicht. An vielen Stellen merkt man das, kämpft besonders im Hinblick auf manche Plot-Kapriolen mit dem Buch. Dafür bekommt man aber auch eine Hauptfigur mit einer hohen Dosis Glaubwürdigkeit.

Wer also ein wenig Abwechslung und Bodenständigkeit sucht, der mag mit „Am Ende aller Zeiten“ eine gute Wahl treffen. Als Highlight meines Lese-Jahres wird es jedenfalls nicht unbedingt gelten. Übrigens finde ich, dass der englische Titel „The End of the World Running Club“ wesentlich besser zum Buch passt. Nicht nur, weil das Laufen selbst eine große Rolle spielt (trotzdem kein Jogger-Roman!). Er ist so wunderbar unpassend gewählt. So unpassend, dass er schon hart am Dilettantismus schrammt. Und das passt so wunderbar zum Verhalten des Protagonisten, dass es schon wieder passt.


Das Buch

ISBN 978-3-45331561-7
Preis (D) € 14.99 | (A) € 15.50
Link zum Buch auf der Website des Verlags

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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