Comic

Civil War: Comic VS Film

Unter Marvels Superhelden bricht Krieg aus. Die einen sehen ein, dass sie nicht immer nur auf eigene Faust agieren können; die anderen wollen nicht unter der Fuchtel korrupter und eigensinniger Politiker stehen. Lohnt sich der Comic, wenn man den Film gesehen hat?

Der totale Bürgerkrieg

MARVELPAPERBACKCIVILWAR_SC_234Marvels größte Helden sind nicht immer einer Meinung – das ist ganz schnell klar. Nachdem ein Unfall unter der Beteiligung öffentlichkeitsbegeisterter junger Superhelden die Frage aufwirft wo denn die Grenzen für Menschen mit derart besonderen Fähigkeiten liegen, spaltet sich die Community in zwei große Lager. Denn in der Öffentlichkeit werden Stimmen laut den Helden diese Grenzen aufzuzeigen – in Form einer Behörde. So sollen zB die Avengers (im Film) oder eine Unzahl an anderen Gruppierungen zu einer Art Super-Polizei umfunktioniert werden.

Naturgemäß stoßen solche Vorstellungen nicht überall auf Begeisterung.

Hinter Steve Rodgers (Captain America, Bild) versammeln sich bald jene Helden, die nicht für die Regierung arbeiten wollen. Ihre Bedenken und schlechten Erfahrungen im Umgang mit politischen Kräften überwiegen. Doch kaum haben sie ausgesprochen, dass sie sich für diese Seite des aufkeimenden Konflikts entschieden haben, werden sie auch schon zu Gesetzlosen erklärt und von der anderen Gruppe gejagt. Die Pro-Grenzen Gruppe wird dabei von niemand geringerem angeführt als Iron Man; auch wenn er (zumindest im Comic) mehr von außen in diese Rolle gedrängt wird.

Der Comic

cw_captainamericaSchnell eskaliert also dieser Konflikt – und gekämpft wird mit den härtesten Bandagen. Da werden Superhelden geklont, Gefängnisse in Negativzonen eröffnet und zweifelhafte Figuren wie der Punisher oder diverse Superschurken als Verstärkung akzeptiert. Kurzum: Der Krieg ist unglaublich.

Wir erleben einen Captain America, der alles andere als ruhig an die Sache herangeht. Sein Rachedurst wird im Zuge der Auseinandersetzung übermächtig – und die mit ihm verbündeten Kräfte stehen ihm darin nur selten nach. Zwischen den Fraktionen gibt es keine klare Trennlinie, die einzelnen Helden wechseln zwischen ihnen hin und her wie es ihnen jeweils richtig erscheint. Dabei lernen wir eine Menge spannender Motive kennen. So spielt in einem Fall die bloße Tatsache, dass der Captain den Konflikt aller Wahrscheinlichkeit nach verlieren wird eine Rolle: Niemand kann Verbrechen bekämpfen, wenn er eingesperrt ist.

Die Gräben selbst verlaufen manchmal auch zwischen ganzen Familien, wie uns am Beispiel von Reed Richards (Mr Fantastic) und Susan Storm gezeigt wird. Denn während Richards brillanter Geist sofort errechnet, dass der Kurs von Captain America nicht nur unlogisch ist, sondern vor allem verheerenden Schaden anrichten wird, folgt Susan dem Impuls ihres Herzens um die Freiheit zu verteidigen, die sie liebt.

Ein paar Stärken und Schwächen des Comics

Mit „Civil War“ ist Mark Millar zweierlei gelungen. Erstens hat er so viele Marvel-Charaktere wie schon lange nicht mehr in eine Geschichte gepackt. Und zweitens hat er die unterschiedlichen Motive der Helden gezeigt, für oder gegen Kontrolle zu sein. Dass er gerade Iron Man auf die Seite des Gesetzes und Captain America in den Untergrund gezeichnet hat, ist eigentlich eine spannende Geschichte – dummer Weise ist dieser Teil des Comics nicht unbedingt überzeugend gehalten (im Gegensatz zum Film, übrigens!). Zu schnell wird aus dem Captain ein Gegner von S.H.I.E.L.D. – das in der Comic-Fassung noch existiert.

Die enorme Brutalität hat mich außerdem überrascht. Während der Film ein wenig wirkt wie eine Schlägerei im Pausenhof. Hier wird nicht nur fröhlich ausgeteilt und eingesteckt, nein, hier werden auch zahlreiche Tabus gebrochen, Grenzen überschritten und Tode gestorben. Außerdem ist die Membran zwischen den Gruppen weitaus durchlässiger – ein Umstand, der vor allem dann verständlich wird, wenn man wesentlich mehr Charakteren Raum gibt ihre Motive zu erläutern. So ist die Frage nach mehr Kontrolle für so manchen Helden gar nicht so leicht zu klären – und das ist gut so. Schließlich erzeugt so ein Krieg auch eine Menge Bitterkeit und Verzweiflung; Dinge, auf die sich der Comic deutlich mehr stützt als der Film.

Der Film

cw_ironmanMit wesentlich weniger Figuren im Gepäck konzentriert sich der Film eindeutig mehr auf die beiden Träger des Konflikts. Das wirkt sich ausgesprochen positiv auf diese aus: Wo der Comic gelegentlich zu schnell den Verbündeten zum Todfeind macht, lässt sich der Film viel Zeit für Charakterentwicklung. Auch die Motive von Iron Man und Captain America sind im Film wesentlich besser und glaubwürdiger herausgearbeitet – eingebettet in die Ereignisse des „Marvel Cinematic Universe“ ergibt alles wesentlich mehr sinn als in der Welt von Mark Millars Comic. Dafür allerdings hat man auf die Vielzahl individueller Rechtfertigungen verzichtet, die im Comic den Krieg begleiten.

Auch die Bandagen, mit denen gekämpft wird, sind nicht ganz so hart. Untote kommen nicht vor, Tote auch nicht (einzig ‚War Machine‘ wird schwer verletzt – aber das war’s dann auch schon). Kein Vergleich mit den einzelnen Momenten im Comic.

Dafür allerdings nimmt die Story rund um den ‚Winter Soldier‘ (der im Comic nicht vorkommt) eine Menge Raum ein. Manchmal sogar unnötig viel. In einem Punkt zwingt sie die Macher des Films sogar zu einem verhältnismäßig abstrusen Wendepunkt, der mir während des Sehens unglaublich sauer aufgestoßen ist: Der letzte Angriff von Iron Man auf den Winter Soldier (und damit auf den Captain) ist völlig unrealistisch. (Achtung: Kleiner Spoiler! Nachdem Iron Man schon eingesehen hatte, dass der Soldier für seine Taten nicht verantwortlich ist, attackiert er ihn dennoch, nachdem eine lange zurückliegende Angelegenheit ans Licht kommt).

Ein paar Stärken und Schwächen des Films

Die Anzahl der Charaktere wurde im Film, gegenüber dem Comic, aus zwei Gründen gedrosselt. Erstens hatte Marvel gar keine Möglichkeit Figuren wie die Fantastic 4 oder die X-Men einzubauen. Dazu fehlten schlicht die Rechte, die an verschiedene andere Produktionsfirmen verkauft wurden. Dass Spiderman im Film gezeigt wurde (wenn auch in einer völlig anderen Version als im Comic) ist einer Einigung zwischen Sony und Marvel zu verdanken. Im Gegenzug wird Iron Man übrigens im nächsten Spiderman-Film auftauchen; und das ist vor allem im Hinblick auf seine Verankerung im „Marvel Cinematic Universe“ eine gute Sache.

Dafür allerdings erzeugt der Plot des Winter Soldiers Längen, die nicht nötig gewesen wären. Der Captain kam mir im Comic wie ein Idiot, im Film wie ein leidenschaftlicher Prinzipienreiter vor – seine Prinzipien in allen Ehren hat er in beiden Fällen eher schwache Rechtfertigungen für sein Verhalten parat. Ganz im Gegensatz zu Iron Man übrigens, dessen Weg in beiden Fällen allerdings durch die Handlungen der jeweiligen Regierungstruppen als ebenfalls fragwürdig dargestellt wird.

Eine weitere, große Stärke des Films ist übrigens die Tatsache, dass er ausgesprochen international gehalten wurde. Während der Comic sich (einmal mehr, *gähn*) ausschließlich auf die USA konzentriert, zeigt der Film die Superhelden im Kontext von UNO und Weltbevölkerung. Das ist zum Teil vielleicht den jüngsten politischen Ereignissen in unserer realen Welt geschuldet – macht das Ganze aber auf jeden Fall interessanter.

Fazit

Wer den Film gesehen hat, der sollte auch den Comic lesen. Hier geht es ganz anders zur Sache – und das ergänzt den gesamten Plot ungemein. Wer sich allerdings noch nie mit Comics auseinander gesetzt hat, der sollte nicht unbedingte mit „Civil War“ starten; dazu ist die Handlung zu komplex und die Anzahl der Figuren zu groß. Außerdem sollte man gewisse Vorkenntnisse besitzen, bevor man mit dem Lesen beginnt, genauso wie man für den Film die Iron Man, Captain America und Avengers – Filme gesehen haben sollte.

Für die Comic-Fans ist es allerdings fast schon Pflichtlektüre. 😀


 Anmerkungen
  • *räusper* #TeamIronMan

ISBN 978-3866075801
Preis (D) 19.99 | (A) 20.60

About the author

DerSinn

Sinn ist Vater zweier Kinder, Buchhändler und jemand, der nicht gern von sich selbst in der dritten Person schreibt. Manchmal muss er das aber - und dann versucht er sich in eine Art Subtext zu retten, den nicht alle immer gut verstehen.

Viel Erfolg in der kommenden Zombie-Apokalypse! Wer meinen (einschlägigen) Buchempfehlungen folgt, der hat Chancen. Allen anderen kann ich nur empfehlen als Zeichen des Widerstands wenigstens nicht lecker zu schmecken. :)

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